Wohngemeinschaft mit den Eltern – nein Danke!!!

22.03.2017

Das Interesse    „später im Alter“   eine Wohngemeinschaft zu gründen ist offensichtlich sehr groß. Bei uns war es nun mal so, dass wir uns über Jahre immer wieder in unserem gemeinsamen Urlaubsort Laboe getroffen haben. Unsere ursprünglichen Wohnorte waren Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Münster. Also sahen wir uns hauptsächlich nur im Urlaub.

Warum erst im Alter so eine Wohnform wählen. Warum nicht schon in jungen Jahren. Die Grundstücks- und Imobilienpreise sowie die Mieten sind in den letzten Jahren so gestiegen, dass es für einen Normalverdiener fast unmöglich ist, Eigentum anzuschaffen oder die hohen Mieten zu zahlen.

Das ist ein Thema, welches immer wieder mit unseren Kindern kontrovers diskutiert wird. Die besten Gefechte, Diskussion kann man das nicht mehr nennen, liefern sich hier Paul und sein Sohn Timo. Die Beziehung zwischen Paul und seinem Sohn Timo besteht allerdings meistens aus Missverständnissen. Paul hatte vor seinem Rentnerdasein eine gut gehende Versicherungsagentur, die sein Sohn Timo übernommen hat. Paul wird es nie begreifen, dass sein Sohn Timo nur einmal hören möchte: „Das läuft prima mein Sohn“ oder: „Toll!!! das hätte ich so nicht hingekriegt.“ Aber nein, Paul empfängt seinen Sohn und dessen Familie schon am Eingangstor mit unsensiblen Bemerkungen wie: „Ich will ja hoffen, dass ihr nicht für immer bleibt und bei euch zuhause noch alles läuft oder hat euer Vater euch schon in den Ruin getrieben?“ und nimmt dabei lachend seine Enkelkinder in Empfang. Timo hat sich auch nicht unbedingt immer unter Kontrolle und schreit dann schon los: „Toll, klasse, wir können ja direkt wieder fahren und nachsehen, ob zuhause alles in Ordnung ist!“

Paul wollte nur witzig sein und Timo hat schon zweimal die Gesichtsfarbe gewechselt, bevor er mit seiner Familie im Haus ankommt und seine Mutter Gudrun begrüßt. Gudrun und ihre Schwiegertochter Astrid gehen ganz gelassen darüber hinweg. Abends, wenn die Enkelkinder im Bett sind und zum gemütlichen Beisammensein in unserem Innenhof oder Kaminzimmer eingeläutet wird, sind Vater Paul und Sohn Timo die besten Unterhalter und übertreffen sich gegenseitig mit ihren Witzen.

Darauf angesprochen, dass man doch schon in jungen Jahren mit Eltern, Freunden und evtl. deren Eltern so eine Wohngemeinschaft in seiner Heimatstadt hätte bilden können, reagiert Timo alles andere als positiv. „Das hätte mir noch gefehlt. Ich bin froh, dass ich mir nicht ständig von meinem Alten (Paul grinst dazu nur amüsiert) sagen lassen muss was ich alles besser machen könnte. Nee, Kinder müssen irgendwann den Abstand von ihren Eltern haben. Jung und alt unter einem Dach klappt am besten mit Fremden. Die lassen einen zufrieden.“

Ist vielleicht gar nicht so abwegig. Jedoch sind wir uns alle einig, dass auch eine Wohnform zwischen jung und alt nur funktionieren kann, wenn jeder sein eigenes Reich hat. Kompromisse muss man immer eingehen. Sollte aber die Restlaufzeit nur aus Kompromissen bestehen, ist jede Wohnform zum scheitern verurteilt.

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