Wohngemeinschaft ja – aber dann nur mit Frauen?

08.03.2017

Ist das Thema Wohngemeinschaft im Alter erst mal auf den Tisch werden die einzelnen Wohnformen unter die Lupe genommen.

Welche Leute ziehen eine Wohngemeinschaft überhaupt in Erwägung.

Paare, die jetzt noch einigermaßen fit sind. Wohngemeinschaft ja, aber nur mit Freunden, die man wirklich gut kennt. Auf keinen Fall mit alleinstehenden Frauen, die mir evtl. noch meinen Alten abspenstig machen könnten. Das wird zwar von der holden Weiblichkeit nicht unbedingt so offen zugegeben, doch Singlefrauen konnten das sicherlich schon in jungen Jahren feststellen, dass die Einladungen weniger wurden wenn man nicht in männlicher Begleitung auftauchte.

Witwen, die jetzt ihre Freiheit genießen und sich auf keinen Fall mehr festlegen wollen. Es wird gereist, was das Zeug hält. Wohngemeinschaft ja, evtl. später, aber dann ohne Männer.

Witwer die keine neue Frau wollen: Wohngemeinschaft ja, aber keine Frau, die einem auf den Keks geht.

Singles, die die meiste Zeit ihres Leben alleine gemeistert haben, aber im Alter Angst vor dem Alleinsein haben und unbedingt eine Wohngemeinschaft anstreben. Die dann sogar noch in der unrealistischen Vorstellung schwelgen, dass eine Gemeinschaft mit circa 6 bis 8 Personen, die dann alle so um die 70 sind, bestimmt funktioniert. So gegründet von einer Bekannten von Susanne. Es sollte ein Bauernhof sein mit vielen Tieren und Natur. Es gab eine große Gemeinschaftsküche, in der sich jeder abwechselnd (falls er lt. Arbeitsplan dran war) austoben konnte und für alle etwas gekocht hat.  Leute die vorher in einer Großstadt mit jeglichen modernen Komfort gelebt haben wollten jetzt ganz tolerant über die Dreckspuren in der Küche hinwegsehen, die der oder die Vorgängerin mit der letzten Kochorgie hinterlassen hat. Aus dem großen Kühlschrank bediente sich jeder (auch der Besuch). Die Waschmaschine im Waschkeller war auch immer voll. Die Tiere mußten versorgt werden. Es gab zwar eine klare Arbeitseinteilung, jedoch wenn einer mal nicht konnte, waren es immer die selben die die Aufgaben mit übernommen haben. Diese Wohngemeinschaft hat sich an tausend Kleinigkeiten aufgerieben. Leider besteht sie heute nicht mehr.

Bestimmt gibt es Wohngemeinschaften die trotzdem auch unter diesen Umständen funktionieren.

Wir haben uns mit so vielen Wohnformen auseinander gesetzt und sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Gemeinschaftsräume von einer Angestellten betreut werden sollten, jeder die Möglichkeit der vollkommenen Zurückziehung hat und die Gemeinschaft ein Bedürfnis und nicht ein Zwang sein sollte.

Die Angst vor Vereinsamung und Pflegebedürftigkeit ist zwar da, jedoch wird es immer Menschen geben, die ihr Glück oder Wohlbefinden von anderen abhängig machen.

Die Macher, die ihr Leben lang immer alles organisiert und in die Wege geleitet haben, sind meistens nicht mehr bereit, im Alter noch immer die Wehleidigen und ständigen Nörgler oder die anstrengenden Lieben mitzuziehen.

Die Nörgler: Wie, eine Wohngemeinschaft? Ja, ja macht Sinn, aber mit wem? Was, die wolltest du auch fragen? Nee danke, wenn ich schon an den oder die denke, reicht es mir und dann jeden Tag mit denen? Nein danke. (Originalton meines Mannes). Paul, mit dem er sich in jungen Jahren während unserer Familienurlaube immer wieder anlegte, ist heute sein bester Kumpel. Wenn schon der einleitende Satz kommt: „Paul meint auch…..“verdrehe ich schon die Augen.

Die Lieben: Ja, mach ruhig, ich ziehe da mit, wenn du dann alles klärst und meine Kinder fragst, ob die das auch in Ordnung finden.

Die Willigen: Ja klar, ich mach mit. Wo, wie teuer, wie versichert, wie werden die laufenden finanziellen Dinge geregelt, was passiert bei Pflegebedürftigkeit, was ist wenn es nicht klappt? Zwar alles berechtigte Fragen, jedoch sind es die wenigsten, die hier Vorschläge zur Umsetzung beisteuern.

Wir waren da nicht anders. Meistens wurde Holger dazu befragt. Oftmals ist ihm im Vorfeld der Kragen geplatzt. Der Satz: “ Glaubt ihr, ich hab das Super-Konzept in der Tasche, kriegt doch selber mal den Arsch hoch und erkundigt euch“, war keine Seltenheit. Der Ärmste!!! Heute ziehen wir ihn damit auf.

 

 

 

Kommentare