Wohnbereiche

24.01.2017

Mittlerweile wohnen wir schon einige Jahre zusammen. So unterschiedlich wie wir alle sind, so individuell ist jede Wohneinheit. Wenn man z.B. aus der Wohnung von Dirk und Susanne in unsere überwechselt, ist es so, als würde man vom Hinteren Orient direkt in den Bayrischen Wald landen.

Dirk und Susanne besitzen eine Vorliebe für große vergoldete Spiegel, goldene Buddhas, goldene Kerzenleuchter, goldene Wasserhähne, goldene Türschilder und Susanne passend in einem schwarz-goldenen Hauskleid mit goldenen Pantöffelchen.

Gudrun mit ihrem hellen Hals:“Wenn uns mal das Geld ausgeht, können wir notfalls Mädels engagieren und in der Wohnung von Susanne und Dirk arbeiten lassen.“

Oberstes Gebot in unserer Gemeinschaft jedoch ist, jeder wird so akzeptiert und respektiert wie er ist. In unserem Wohnbereich hingegen dominiert eindeutig das bayrische Flair. Die Möbel hat mein Mann von seinen Eltern geerbt. Sie sind zu meinen Leidwesen noch sehr gut erhalten.

In der Wohnung von Paul und Gudrun ist alles vertreten – so wie die beiden nun mal sind. Ein großer goldener Spiegel gefällt genau so gut, wie der alte Friesentisch, der billige Schuhschrank erfüllt genauso seinen Zweck, ebenso der wertvolle indische Sekretär. Irgendwie passt trotzdem alles zusammen. Gudrun würde sich am liebsten jedes Jahr neu einrichten, aber mit Paul, dem alten Geizhals, sei das nicht möglich, zumal er sich von nichts trennen kann, solange es noch funktioniert. Pauls Kommentar dazu:“Ein Glück für dich“.

An bissigen Bemerkungen schenken die beiden sich nichts. Es ist einfach nur so, dass sie keine Hemmungen haben, sich vor anderen gegenseitig verbal fertig zu machen. Trotzdem sind sie eine echte Bereicherung für unsere Wohngemeinschaft. Wenn zwischen ihnen die Frechheiten und Gemeinheiten hin und herfliegen, rücken die anderen Paare etwas enger zusammen, mit der Gewissheit, gut, dass ich mit ihr(oder ihm) verheiratet bin und nicht mit diesem Drachen oder Unhold.

Doch eine Sache im Sommer hat uns doch etwas nachdenklich gemacht, was die Beziehung der beiden zueinander angeht.

Gudrun kam von einem ihrer Einkaufsexzesse nach Hause. Sie ließ schreiend: „um Gottes Willen Paul, Paul, Paul“ alle Tüten fallen und rannte in den Innenhof. Hier lag Paul verkabelt auf einem Massagetisch. Er wurde von unserem Masseur Michael mit elektronischen Handschuhen bearbeitet. Mein Mann Wofgang, Holger und ich standen dabei und sahen zu. Gudrun ist wohl zunächst davon ausgegangen, dass ihr Mann gerade wiederbelebt wurde, dabei hatte Michael nur eine elektronische Massage bei ihm ausprobiert.

Aufgrund ihrer Schreierei sind wir zunächst alle zusammengezuckt, um gleich danach in schallendes Gelächter auszubrechen. Man sah Gudrun die etwas verlegene Erleichterung an. Paul griente nur – ach, sie liebt mich doch -sagte aber: „keine Angst Gudrun, die Bank von England bleibt dir erhalten.“

In dem toskanisch gestalteten Innenhof, in dem sich die Szene abspielte, haben wir schon so manch tollen Abend verbracht. Zufrieden stellen wir immer wieder fest, dass bei der Gestaltung dieses Hofes Holger und Lady Maren ganze Arbeit geleistet haben.

Das Ambiente, dazu das leichte Plätschern des beleuchteten Brunnens, das Gläschen Rotwein (oder zwei/drei) vermitteln einem schon nach kurzer Zeit ein südländisches Flair. Wenn unsere Geizhälse Wolfgang und Paul eine ihrer Schiffstouren unternehmen, machen wir schon mal im Spätherbst die Heizstrahler an und dann ist es – wie Susanne meint – „richtig kuschelig“ in unserem Innenhof.

Wie gesagt, die Villa gab es vorher schon, sie wurde von uns nur umgebaut. Um jedoch das harmonische Bild der Anlage zu erhalten, waren wir uns von Anfang an einig, Holger und Maren bei der Gestaltung der Außenfassade und Anlagen weitgehend freie Hand zu lassen. Somit war wenigstens gewährleistet, dass kein röhrender Hirsch oder goldener Buddha schon von vornherein stört.

Jeder hat eine Terrasse mit eigenen Wohnungseingang. Der Innenhof ist nur von jeder Wohneinheit und  vom Kaminzimmer zu erreichen. Der große Eingangsbereich, die Küche, das Kaminzimmer/Bibliothek sowie die Wohnung von Maren und Holger strahlen eine schlichte geschmackvolle Eleganz aus und passen hervorragend zum Gesamtbild der Villa.

Gudrun hat schon mal treffend festgestellt: „Hier residieren Gräfin Maren und Graf Holger und uns Banausen halten sie sich zur Unterhaltung“ – kein schlechter Vergleich.

 

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