WG im Alter – die Generation der Rolling Stones kriegt das auch gerockt

11.07.2017

Alles gut und schön so wie ihr lebt, aber bei euch stimmt ja auch der finanzielle Hintergrund. Dürfte allen klar sein, dass das keine Garantie für ein gutes Gelingen so einer WG ist. Um mal beim angeblichen Mammon zu bleiben und ganz platt ausgedrückt, von einem sehr schönen Haus, einen über Jahre liebevoll gepflegten Garten, in einen 60qm-Kasten zu ziehen, der dann allerdings mir gehört, würden dann auch viele als Schritt in die falsche Richtung sehen. Von einer liebevoll eingerichteten 60qm Mietwohnung in München, die so um die 1100 Euro monatlich kostet, in ein großes Haus mit großem Grundstück und 3 weiteren Mitbewohnern in einer tollen Gemeinschaft zu leben, bei der sich die Miete dann für jeden bei 300 Euro einpendelt, dürfte dann, ohne großen finanziellen Hintergrund, der Schritt in die richtige Richtung sein (siehe die von mir beschriebene WG in Cuxhaven).

Ja, es ist was dran, man kann es so schön quatschen wie man will, Geld und Besitz zu haben erleichtert schon so manches. Doch um das mal realistisch zu sehen, wie schnell ist alles weg. Die Generation unserer Eltern und meistens auch noch unsere Generation hat oft noch etwas zu vererben. Damit das Erbe nicht drauf geht, wurden oftmals schon die Eltern bis an die Grenze der Belastbarkeit zuhause gepflegt. Seinen eigenen Kindern will man das ersparen – aber wie, wenn man ein über Jahre abbezahltes Haus oder Wohnung hat und will das nicht von Heimkosten auffressen lassen, die teilweise in den Großstädten bei über 4.000 Euro monatlich liegen.

Als Beispiel: Ihr verkauft euer Haus für 300.000 Euro und investiert 150.000 Euro in ein neues Zuhause so wie wir es haben. Mit den restlichen 150.000 Euro stockt ihr die nächsten 10 Jahre eure Rente mit monatlich 1.250 Euro auf. Jetzt kommt: und danach!!! Antwort: vielleicht gibt es dann schon zusätzliches Pflegegeld oder einfach mit weniger auskommen. Mit zunehmenden Alter dürften die Aktivitäten dann meistens auch nachlassen. Die Wohneinheit kann vererbt werden (ist bei uns vertraglich geregelt wie das ablaufen soll).

Alternativ: Abwarten bis man nicht mehr kann, bis die Kinder nicht mehr können und dann wirklich nur noch das Altenheim übrig bleibt. Das Haus hat wie gesagt einen Wert von 300.000 Euro. Die monatlichen Heimkosten liegen, nach Abzug des evtl. Pflegegeldes, bei ca. 3.000 Euro. Nach 8 Jahren ist das Haus weg, die Kinder werden zur Kasse gebeten oder der Staat zahlt.

Vielleicht für einige eine Milchmädchenrechnung, da es ja immer noch wenn’s und aber’s gibt, jedoch sehr nahe an der Realität.

Wenn ich hier über unsere WG berichte, sind es fast immer positive Dinge. Dass wir hier nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen haben, dürfte allen klar sein.

Susanne und Dirk wurden von ihren Kindern in die WG gedrängt und von ihrem Sohn mit der obigen Rechnung überzeugt. Sie hatten ein richtiges Schmuckkästchen. Der Gedanke, dass ihre Kinder keinerlei Interesse an dem Haus hatten, konnten sie lange nicht begreifen.

Paul und Gudrun haben ihr großes Haus ihrem Sohn überlassen. Der hat dann einen Kredit aufgenommen, damit seine Eltern in unser Laboeprojekt investieren konnten. Ihre Tochter Beate hatte sich gerade getrennt und wollte eigentlich bei der Betreuung ihrer beiden Kinder ihre Eltern mit einplanen. Paul wollte schon einen Rückzieher machen und nicht mehr am Laboeprojekt teilnehmen, um Töchterchen Beate zur Seite zu stehen. Ein Herzinfarkt und seine Frau Gudrun haben ihn dann überzeugt, dass jetzt endlich Schluß ist mit Betreuung. Ihre Kinder haben schon in jungen Jahren für so manchen Sargnagel gesorgt.

Gudrun und ich vermuten, dass für Holger und Maren unsere Kinder und Enkelkinder der Hauptgrund war, mit uns eine WG  einzugehen. Kann schon sein. Bei all unseren Kindern genießen sie den größten Kompetenzbereich.

Bei uns waren es unsere Söhne und ich, die von der Idee sofort begeistert waren. Menschenskind war das ein Kampf. Mein Mann wollte es auf keinen Fall und hatte immer wieder etwas anderes zu meckern. Alle Meinungsverschiedenheiten waren für ihn die Bestätigung, dass alles eine blöde Idee sei, die nicht funktioniert. Es kam soweit, dass ich mit Trennung drohte. Er zog dann großzügig mit. Heute sind er und Paul – wie sagt man so schön – ein Kopf und ein A.. und ich habe in meinem Mann viele Dinge wieder gefunden, die ich schon als verloren gegangen abgehakt hatte.

Ich könnte hier noch einige Dinge und Episoden aufführen, die nicht so prima gelaufen sind liebe Freunde. Doch ich möchte auf dieser Seite bei positiven Aspekten bleiben, die uns und auch Euch Mut und Zuversicht geben, dass das Leben mit über 60 nicht langsam auf das Ende zugeht, sondern dass man/frau durchaus noch mal richtig durchstarten kann. Schließlich sind wir die Generation der Beatles und Rolling Stones (die noch mit über 70 auf der Bühne herumrocken).

In dem Sinne alles Liebe und bleibt gesund

 

Kommentare