Wenn nichts mehr geht, gibt es Pillen

29.03.2017

Haus am Meer, Freunde mit denen man sich gut versteht, Kinder und Enkelkinder die uns oft besuchen, da ein Besuch immer ein Kurzurlaub am Meer bedeutet. Hört sich alles super an. Es war aber auch ein langer Weg dahin. Oftmals stand das Projekt kurz vor dem scheitern.

Wie Sie mir beipflichten werden liebe Leser ist eins immer wieder das Wichtigste „Die Gesundheit“. Paul hatte einen Herzinfarkt und seine Frau Gudrun wollte damals alles hinschmeißen und lieber in Düsseldorf bleiben. Ihre Tochter Beate hatte sich getrennt und stand nun mit zwei kleinen Kindern da und erwartete Hilfe und Einsatz von ihren Eltern. Gudrun selber erfreute sich auch nicht gerade bester Gesundheit.

Paul hat sich erstaunlich schnell wieder erholt. Heute zieht er uns immer damit auf. Er habe wohl so eine Panik gehabt nicht mehr dazu zu gehören, dass für ihn nur infrage kam, noch einen Infarkt und dann ab in die Kiste oder ein entspanntes Leben mit seinen Freunden ohne den Stress zuhause. Seine Frau Gudrun schaut ihn dann zwar etwas befremdlich an – aber sie kennt ihn ja und wie schon erwähnt, die beiden schenken sich nichts.

Aber wer kennt das nicht. Es werden Pläne gemacht und der Alltagstrott läßt einen immer wieder alles aufschieben.

Paul hat heute „nur“ mit seiner Gicht zu kämpfen. Übermäßiger Fleischkonsum ist da nicht gerade förderlich. Da er in der Beziehung nicht unbedingt zu den Einsichtigsten zählt und sich auch von seinem Freund Wolfgang nichts sagen läßt, wirft er sich eine Pille ein (seine Worte) und läßt es sich schmecken. Nur wenn die Gelenke anschwellen und er da mit seinen Eismanschetten sitzt, die Änne immer für ihn im Eisfach deponiert hat, kommen die guten Vorsätze, die dann aber immer wieder über den Haufen geworfen werden, sobald Fleisch angeboten wird.

Unsere Bedenken, dass Tabletten auch keine Lösung versprechen, kommentiert er immer: Meine Mutter ist 97 geworden, die hat ihr Leben lang jede Woche eine Lore Tabletten bei ihrem Hausarzt abgeholt, alle geschluckt und war bis zum Schluss gesund an Körper und Geist. Gudrun meint: “ seine Schmerzen und seine Entscheidung.“

Susanne und Dirk fanden so eine Wohngemeinschaft mit eigenen Wohnbereich und Personal prima, jedoch wollten sie uns anfangs immer überreden, das Projekt in der Toskana zu starten.

Heute sind wir froh, dass wir uns für Laboe entschieden haben. Erstens spricht keiner von uns italienisch und für unsere Kinder und Freunde ist es nicht so weit, falls sie uns besuchen wollen.

Hier haben wir fast alles. Im Frühjahr das frische Grün der Blumen sowie das wechselnde Blau und Grün des Meeres im Mai die gelbblühenden Rapsfelder in und um Laboe. Im Juni den Touristen-Trubel und die Kieler Woche, im Winter unsere langen Spaziergänge bei Eis und Schnee.

Mit übermäßige Sonneneinwirkung ist in Laboe leider nicht zu rechnen, deswegen verbringen Susanne und Dirk einige Winterwochen in Spanien. Susanne hat seit einigen Jahren rheumatische Beschwerden. Da bietet sich für die raue Jahreszeit in Laboe natürlich als Alternative das milde Mittelmeerklima an. Lange halten sie es aber meistens da nicht aus. Sie vermissen uns. Ihr Zuhause sind wir, die unüberlegten kleinen Frechheiten von Paul, die schnodderigen lieb gemeinten Kommentare von Gudrun und mir, die fürsorgliche Art von Maren und Änne, die regen Diskussionspartner Wolfgang und Holger, ihre und unsere verwöhnten Kinder einschließlich verzogener Enkelkinder (wenn sie uns besuchen) sowie Laboe mit seinen liebgewordenen vertrauten Ecken.

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