Weißt du noch früher

16.02.2017

Sätze die anfangen mit: „Weißt du noch, früher…..?“ stellen eine magische Verbindung her zwischen Familienmitgliedern, langjährigen Freunden oder auch Arbeitskollegen. „Weißt du noch früher“ ist auch für unsere Gemeinschaft ein starker „Verbindungssatz“,denn schon in jungen Jahren hatten wir alle eine gemeinsame Leidenschaft „Laboe“. Jahrzehntelang haben wir regelmäßig unsere Urlaubstage in Laboe verbracht.

Holger und Maren besaßen direkt an der Strandstraße ein großzügiges Appartement mit Ostseeblick. Gudrun und Paul sowie Susanne und Dirk mieteten mit ihren Kindern immer eine große Ferienwohnung im Ort ohne Ostseeblick.

Für meinen Mann Wolfgang und unseren beiden Söhnen war der Ausblick auf die Kieler Förde mit den großen vorbeiziehenden Schiffen ganz wichtig und gehörte unbedingt dazu. Leider hätte eine großzügig angemietete Wohnung mit Blick auf die Ostsee unseren finanziellen Rahmen gesprengt. Wir hätten nicht so oft diesen geliebten Ort aufsuchen können. Mit dieser Gewissheit zogen wir in schöner Regelmäßigkeit mit vier Personen einschließlich zwei Hunden und zwei Meerschweinchen (kein Witz) in ein knapp Fünfzig-Quadratmeter Appartement.

War ein Kurzurlaub angesagt, kam es schon mal vor, dass einer unserer Söhne einen Freund mitnahm, der sich auch noch mit in das Appartement quetschen durfte. Gingen die Abenteuertage dem Ende zu, hat sich der Freund meistens schon für den nächsten Kurzurlaub angemeldet.

Na ja, etwas eng war es schon aber unseren Kindern hat es gefallen. So nach dem Motto: „Wir bauen uns eine Bude und wenn es regnet kriechen wir alle unter.“

Die Rückenschmerzen, die mein Mann Wolfgang heute hat, schiebt er immer auf dieses Schei…Schlafsofa aus frühen Laboetagen. Vielleicht ist mein Kommentar:“Ja mein Lieber, so hat jeder bleibende Erinnerungen“ etwas daneben, aber schließlich war er es immer, der keinesfalls auf diesen Fördeblick verzichten wollte und meine zaghaften Versuche nach etwas mehr Wohnraum jedes Mal mit Hilfe unserer Söhne zunichte gemacht hat.

Unbestritten hatten wir etwas das Image der Familie Flodders. Dem stand Familie Poll (Gudrun und ihr Mann Paul mit den Kindern Timo und Beate) in nichts nach.

Wo trafen wir – im wahrsten Sinne des Wortes – das erste Mal zusammen. Beim Einkauf.

Ihr Sohn Timo und unser Sohn Max, vertrieben sich die Zeit damit, die voll bepackten Einkaufswagen mit etwas erhöhter Geschwindigkeit durch die Gänge zu manövrieren. In Höhe der Obststände knallten sie zusammen. Nachdem unsere beiden „Sonnenscheine“ die Dinge mit einem: „BooÄhh“ abtaten, standen Gudrun und ich fassungslos vor dem Schlamassel. Marmelade- und Gurkengläser vermischten sich mit einer Palette Quark, Zucker und Eier.

Der Urlaub sollte für beide Familien erst anfangen, demzufolge hatten wir beide reichlich eingekauft. Nachdem unsere beiden Rennfahrer alle Putzutensilien vom Geschäftsführer besorgt und Gudrun und ich zwischenzeitlich einige Gemeinsamkeiten in Bezug auf unsere beiden Jungens festgestellt hatten, war von uns nur ein knappes: „Sauber machen!!“ angesagt. Das war natürlich ein frommer Wunsch von uns.

Die beiden grinsten sich an und versuchten linkisch mit spitzen Fingern die einzelnen Quarktöpfe in den Wischeimer zu legen. Das hätte ewig gedauert. Zudem waren wir nicht alleine in dem Laden. Damit die ganze Sache nicht eskaliert, konnten wir gegen die gut gemeinten erzieherischen Ratschläge der anderen Käufer (u.a.: „Denen fehlt mal eine deftige Tracht Prügel!“) nur mit einem säuerlichen Nicken reagieren.

Wir verbannten unsere Jungens nach draußen und gingen ans Werk. Wir machen uns bis heute einen Spaß daraus, auf die Frage: „Wo habt ihr euch denn kennengelernt“ zu antworten: „Im Lebensmittelladen, dort hatten wir beide kurzfristig eine Putzstelle.“

Gudrun und ich waren uns sofort sympathisch. Bei unseren beiden Männern sah das schon etwas anders aus. Ein Glück, dass die beiden an dem Tag nicht dabei waren. Das ist jedoch eine andere Geschichte.

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