Planen macht Spaß – ob viel oder wenig Rente – mit 65 steht der Plan und dann geht es noch mal richtig los

06.08.2017

 

Bei uns ist „Full House“. Würden wir 8 jetzt im Altersheim sitzen oder im Reihenhaus irgendwo in einem Hamburger Vorort, würden uns die Kinder und Enkel die Bude nicht so einrennen. Ostsee heißt Urlaub. Früher war das bei uns auch so. Jetzt heißt es Zuhause. Alle Besucherzimmer sind belegt. Manchmal ist es schon etwas stressig. Schließlich haben wir uns auch wieder auf bestimmte Rituale eingeschossen. Rituale, auf die wir in unserem „alten Leben“ zunächst so gar nicht verzichten wollten.

Mein Mann war und ist da Spitzenklasse. Es muss alles so sein „wie immer“.  Er fährt jeden Morgen mit Hund und Fahrrad zum Bäcker. Tageszeitung und zwei Brötchen, wie immer!!! Er ist immer ganz stolz, wenn schon alles parat für ihn auf der Theke liegt. Ein Brötchen mehr würde wahrscheinlich auch die Bäckereiverkäuferin aus dem Konzept bringen, ha ha ha. Wir frühstücken auch fast immer alleine und nicht mit den anderen im Haupthaus. Morgens könne er das Gequatsche noch nicht haben. Als Gudrun mal spontan herüberkam, war sein Kommentar nach einem kurzen missmutigen Moin:“wir haben nur zwei Brötchen“. Ich fass es nicht!!! Gudrun ist da ganz gelassen und schlagfertig: „Das macht nix, die ess ich dann, ihr habt ja sicherlich noch Brot.“ Das ließ er dann unkommentiert, als er meinen Blick sah.

Ja, wir sind sehr, sehr unterschiedlich. Manchmal sieht es aus, als hätten wir unsere Männer irgendwie im Griff. Sieht nur so aus!!!

Holger, der Mann von unserer Maren – wird von „fast“ allen geliebt – ist aber trotzdem ein arroganter Sack. Gerade wenn unsere Kinder und Enkelkinder da sind, meint er immer er müßte den großen Organisator heraushängen lassen und fährt zur Höchstform auf. Mit seinen Motivationssprüchen zu seinen Sportprogrammen läßt er den Rest der Truppe oftmals aussehen, als seinen wir ein debiler Verein, der nur auf seine erleuchtenden Erkenntnisse gewartet hat. Wir seinen ein müder, fauler Haufen und müßten mehr für unsere Gesundheit tun. Mal so eine kleine Hunderunde und dann anschließend irgendwo ein dickes Eis verdrücken, wäre nur Pflegefall förderlich und er hätte mit unterschrieben, dass er später keinem den A… abputzen müßte. Holla die Waldfee, da platzte seiner Frau Maren dann doch der Kragen. Unsere Maren, unsere besonnene Lady, von der noch keiner in unserer Runde irgendeine Frechheit oder unpassende Äußerung gehört hat: „Holger, es reicht, halt endlich mal die Schnauze“ knallte so in die Runde, dass es nur mit Gelächter beantwortet werden konnte. Holger war dann zwar beleidigt, das hält sich aber nicht lange. Klar, so gesehen sind die meisten von uns schon bequem. Somit ist es, um die arrogante Socke Holger mal positiv zu sehen, gar nicht so schlecht, wenn er ab und zu mal Dampf macht.

„Diese Rituale“ sind für ein Wohlgefühl unbedingt förderlich. Zugegeben, da kann sich keiner von freisprechen. Die liebgewonnenen Gewohnheiten sind jedoch meines Erachtens die größte Hemmschwelle, um endlich mal aus dem Quark zu kommen. Trotzdem, schon erstaunlich, wie schnell man sich von alten Gewohnheiten verabschieden kann und sich ganz schnell Neue zulegt, an denen dann meistens genauso verbissen festgehalten wird.

Also liebe Freunde planen, freischwimmen von alten Gewohnheiten um sich neue zuzulegen. Nie zuvor wurden die Deutschen so alt und blieben dabei so lange jung. Die Lebenserwartung einer heut 65jährigen liegt bei 86 Jahren. Männer bei durchschnittlich 82,5 Jahren. Wenn es gut läuft, bedeutet das, dass man noch 20 gesunde Jahre vor sich hat, viele sogar deutlich mehr.

Besucht mal heute eine Messe für Rentner. Wo früher Sanitätshäuser Stützstrümpe und Duschgriffe vorstellten, werden heute Polarexpeditionen, Studienreisen nach Asien oder „Mit 60+ auf den Kilimandscharo“ angeboten.

Alles gut und schön, aber bevor es auf den Kilimandscharo geht, erst mal Pläne machen für ein neues bezahlbares Zuhause mit Gleichgesinnten in einer WG –  wie auch immer gestaltet -, denn irgendwann ist die Sturm- und Drangzeit tatsächlich vorbei und dann will man sich gut versorgt wissen. Am besten mit Ritualen und Gewohnheiten in einer liebgewonnenen Umgebung unter Freunden.

Liebe herzliche Grüße und bleibt gesund liebe Freunde

 

 

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