Ostern und Fleur die „Schlampe“

17.04.2017

Mit Spannung wurden Jörn und seine neue Freundin erwartet. Wie bereits in meinem letzten Bericht erwähnt, hat uns seine Mutter Susanne schon vor Tagen anvertraut, dass sich bei ihrem Sohn und Liebling Jörn eine Schlampe eingenistet hat, die dieser jetzt über die Ostertage mitbringen wollte.

Der Trubel hatte sich schon etwas gelegt. Unsere Kinder und Enkelkinder waren alle da. Die Luftmatratzen waren aufgepumpt und Änne (Gott sei Dank hat sie keinen Osterurlaub genommen) hatte alles im Griff. Dirk, der früher bei der Bundeswehr war sagte immer wieder, Änne hätte einen guten Kommandeur abgegeben. Wenn alle durcheinander quatschen brüllt sie einfach dazwischen: „Ruhe, verdammte Hacke, um eins gibt es Spagetti, um halb vier Friesentorte und Sandkuchen. Jetzt werden Anmeldungen entgegen genommen, wer sich jetzt nicht anmeldet bekommt später nichts.“ Lachend melden sich alle an.

Endlich traf Jörn und seine Freundin ein. Wie zufällig !!! standen Gudrun und ihre Tochter Beate auch vor dem Haupthaus.

Fleur (die Schlampe) stieg aus. Sehr schlank, sehr gefärbt rothaarig, hübsches Gesicht und eigentlich auf den ersten Blick sympathisch. Aber dann ging es ab. Sie stürzte auf Susanne zu, riss sie in ihre Arme: „Wie geil ist das denn, du bist die Mutter von meinem Schatzi. Wie ihr hier wohnt, wie geil ist das denn und dann alle zusammen, einfach geil. Schatziii ich will hier auch wohnen“ Jörn lief etwas rot an und begrüßte seine Mutter. Fleur strahlte Beate (Tochter von Gudrun)an: “ ich heiße Fleur und du?“Beate daraufhin: „Fleur, wie geil ist das denn“ ha, ha, Beate ist schon so manches Mal eine Kopie ihrer Mutter Gudrun.

Wollen mal etwas nachsichtig sein, Fleur war sicherlich etwas aufgeregt und ihr viel offensichtlich s0 schnell nichts besseres (geileres) ein.

Da wir schon über viele Jahre immer unsere Urlaube in Laboe verbracht hatten, kannten sich Beate und Jörn schon als Kinder. Was hat Jörn als Jugendlicher nicht alles angestellt, nur um Beate zu gefallen. Gudrun hätte es gerne gesehen, wenn Beate und Jörn ein Paar geworden wären. Ihre Beate stand aber immer mehr auf Rabauken so einen hat sie dann auch geheiratet, zwei Kinder in die Welt gesetzt und ist jetzt geschieden, so Gudrun.

Nach Beates Scheidung hatte Gudrun gehofft, dass sich zwischen Jörn und Beate doch noch etwas mehr abspielen würde als nur eine über Jahre gewachsene Vertrautheit. Wie sie mir anvertraute, stünden dem aber die Revolverschnauze ihrer Tochter Beate und die Schüchternheit von Jörn im Wege. Aber es hätte geknistert. Gudrun habe mal in der Großküche zu Jörn gesagt:“Mensch Jörn, so ein Sahneteilchen wie du, ist in eurer Kanzlei doch sicherlich nur für die weiblichen Mandanten zuständig oder?“ Da wäre Beate rot und verlegen geworden und Jörn hätte Beate nur angegrinst.

Auf alle Fälle stand Fleur jetzt auch unter Beobachtung von Beate.

Nicht, dass wir mit über 20 Personen Langeweile hätten, jedoch war Fleur schon für manche eine Herausforderung. Sie betonte bei sich jeder bietenden Gelegenheit, dass alle Männer hinter ihr her seien und es wegen dieser ständigen Angraberei immer Ärger gegeben habe und sie somit häufig ihren Job wechseln mußte. Zur Zeit wäre sie ohne Job und lebte nur für die Liebe und ihren Schatzi. Solche Sprüche kamen natürlich super gut an. Die Krönung war allerdings die unbefangene Mitteilung, dass sie bereits zwei Kinder habe, die Tochter sei bei ihrer Mutter und der Sohn bei seinem Vater. Doch mit Schatzi habe sie die Liebe ihres Lebens gefunden.

Astrid, die Schwiegertochter von Gudrun und Über-Mutter von vier Kindern, eigentlich immer sehr lieb und zurückhaltend. Astrid die ruhigste Person in dem sonst so chaotischen Familienhaufen von Paul und Gudrun platze der Kragen:“Wenn du und die Liebe deines Lebens Kinder habt, wisst ihr denn schon wem ihr die dann aufs Auge drücken könnt?“ Eine Antwort hat Astrid nicht mehr abgewartet. Sie knallte ihre Servierte auf den Teller und ging in den Innenhof.

Beate, Gudrun, Susanne, Änne und ich waren sprachlos. Fleur nicht: „Na ja, sie versteht das, wenn jemand durchdreht. So geil sei das auch nicht, sich um vier Kinder zu kümmern. Da blieb auch so manches auf der Strecke, ihr wisst was ich meine.“ Hat diese nicht mehr alle?? Änne knallte auf den Tisch: „so Ende Mädchen, guck du mal wo deine große Liebe ist und wir kümmern uns jetzt um das Abendbrot.“

Als ich meinem Mann später dieses Gespräch schilderte, lachte er lauthals: „Ich glaub es nicht, ha ha ha, da hat Änne ja wohl eine Schlägerei im Kaminzimmer verhindert, ha, ha, dass ihr als gestandene Frauen das arme Mädchen so ernst nehmt“. „Das „arme Mädchen“ ist 36.“ „Ja und, ein ungebildeter Hungerhaken, die sich etwas interessant machen will. Offensichtlich ist ihr das bei euch Weibern wohl gelungen.“

Manchmal, aber auch nur manchmal sind Männer doch wohl die Klügeren!!!

Jörn und Fleur haben über die Ostertage bei Susanne und Dirk gewohnt. Muss wohl alles ganz ordentlich abgelaufen sein. Also nicht schlampig. Geraucht wurde in deren Wohnung auch nicht.

Beate hatte sich während einer Strandwanderung mal ganz freundschaftlich bei Jörn eingehakt und ihm auch einen schwesterlichen Kuß gegeben. Jörn sei angenehm überrascht gewesen, Fleur nicht. Wie ein Terrier sei sie dazwischen gegangen. Mal sehen, wie sich alles weiter entwickelt. Evtl. ist Beates Interesse an Jörn doch größer als vermutet.

Boo, es waren trotzdem schöne Ostertage und eine Freude mal wieder alle um sich zu haben. Es ist allerdings auch prima, wenn wir dann die Rücklichter unserer Lieben sehen.

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