Omas und Enkel

10.05.2017

Eine kleine Geschichte aus dem 10jährigen Pflegeprogramm meiner Freundin Uschi.

Ihre pflegebedürftige Mutter lebte mit ihr in einer Wohnung. Ihre Mutter nahm so am Familiengeschehen teil und ihr kleiner 31/2jähriger Urenkel beantwortet mit einer kindlichen Selbstverständlichkeit ihre immer wiederkehrenden Fragen.

Sie hatten im Garten einen Strandkorb stehen, der vom Wintergarten aus sehr gut zu sehen war. Ob tiefster Winter oder Sommer jedes Mal fragte Urgroßmutter Nanny, die im Wintergarten saß und am liebsten eine Zigarette nach der anderen rauchte: „Wer liegt da in dem Korb?“Sie fragte weiter: „Wer wohnt da oben und lebt meine Mutter noch?“ Und das immer wieder von vorne, wie eine kaputte Schallplatte. Da brannte bei Uschi schon mal die Sicherung durch und sie blaffte ihre Mutter dann an: „Verdammte Hacke, da liegt keiner im Strandkorb oder siehst du da einen?“ Sie antwortete dann stumpf: „Nein, wie kommst du darauf? Ohje!

Sicherlich ein schlechtes Vorbild für ihren Enkel, wenn sie seine Urgroßmutter Nanny so anblaffte. Als die Urgroßmutter mal keine Fragen stellte und nur gierig an ihre Zigarette zog, fragte der kleine Enkel: „Nanny, willst du wissen, wer da im Korb liegt?“ Sie guckte ihn groß an und sagte: „Ja wer?“

Er dann: „KEINER! VERDAMMTE HACKE.“ Wenn Nanny dann zu ihm sagte: “ Du bist aber ein frecher Junge“, tat es ihm leid und er fragte: „Willst du eine Zigarette, Nanny?“ Er konnte sich aber auch stundenlang mit ihr alte Fotos anschauen. Er fragt dann ganz interessiert: „Nanny, jetzt zeig mir mal deine Mutter“ oder er spielte mit ihr Verkäufer. Seinen Kaufladen baute er direkt vor seiner Urgroßmutter auf und fragte: Nanny, was wollen sie kaufen, Zigaretten haben wir nicht.“

Uschis Mutter hatte nicht viel auf den Rippen und hat gerne Vanille- oder Schokoladenpudding gegessen. Dieser wurde regelmäßig abends gekocht. Der kleine Enkel hat darauf bestanden seine Uroma Nanny zu füttern, obwohl sie das eigentlich noch ganz gut selber hingekriegt hat. Zwischendurch hat er immer etwas probiert, um ihr zu versichern, dass der Pudding nicht mehr heiß ist.

Oftmals haben Uschi und ihr Enkel Nanny gemeinsam ins Bett gebracht. Als Nanny das erste Mal ihre Zähne herausgenommen hat, war der kleine Kerl, der ansonsten den ganzen Tag quatscht, doch ziemlich sprachlos und wackelte an seinen eigenen Milchzähnen.

Einmal sagte ihre Mutter, die immer Angst hat, alleine zu schlafen, sie sollten ihr doch den kleinen Jungen ins Bett legen. Der kleine Junge wollte aber nicht! Er grinste verschämt und hat ihr auf den zahnlosen Mund einen Kuss gegeben.

 

 

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