Offen zu sein für das Leid anderer

02.02.2017

Ausnahmslos alle haben in dieser Wohngemeinschaft gelernt, was es heißt, auch offen zu sein für das Leid anderer, und sehen heute diese Gemeinschaft und Nähe als eine Bereicherung ihrer Lebensqualität.

Ganz schlimm wird uns immer die Nachricht von der Leukämieerkrankung des kleinen damals fünfjährigen Jannis in Erinnerung bleiben. Mein Mann Wolfgang schämte sich genau so wenig seiner Tränen wie wir.

Jannis ist zwar das Enkelkind von Gudrun und Paul, jedoch verbindet ihn eine besondere Freundschaft mit meinen Mann Wolfgang (seinem Ka-Leu).

Als Jannis im Krankenhaus lag und mit seiner Leukämie kämpfte, hat mein Mann es sich nicht nehmen lassen, ihm jeden zweiten Tag ein kleines Päckchen zu schicken. Tatsächlich jeden zweiten Tag!!! Es waren zwar meistens nur Kleinigkeiten die er gekauft hat, jedoch waren es ausschließlich Dinge, die hunterprozentig Jannis Geschmack trafen. Unter anderem Laserschwerter, Pokemon-Karten, schreckliche Figuren die man immer wieder in eine andere Kampfmaschine verwandeln konnte usw..

Mein Mann ging soweit, dass er sich ab und zu das Kinderprogramm auf Super-RTL anschaute, um die Werbung nicht zu verpassen, wo die neuesten Spielsachen angeboten wurden. Argumente wie „das sei erzieherisch falsch, der Junge meine es gehe jetzt immer so weiter oder er glaube er werde jetzt belohnt, weil er krank sei,“ usw. hat er nur mit einem „Na und!!!“ abgetan und das nächste Päckchen zur Post gebracht.

Wenn Jannis sich dann mit seinem dünnen Stimmchen aus dem Krankenhaus meldete und seinen Ka-Leu sprechen wollte, weil dieser mal wieder genau die richtige Schreckensgestalt geschickt hatte – die er sich ja schon immer gewünscht hat – wussten wir, dass das genau die richtige Therapie war.

Heute ist Jannis über den Berg. Er hat die Krankheit besiegt. Auch die vielen, vielen Spielsachen – die er von allen Seiten bekam – haben keine bleibenden Schäden hinterlassen. Er ist ein neugieriges aufgewecktes Kerlchen geblieben. Schenken und beschenkt werden ist offensichtlich für ihn immer nur ein Zeichen von Zuneigung. Er hat auch keine Probleme damit, selber etwas zu verschenken.

Es war nicht nur für ihn, seine Eltern und Großeltern eine schlimme Zeit. Wir haben alle mitgelitten. Ich könnte jetzt noch von vielen gesundheitlichen Problemen erzählen, die, mit vielen Ängsten verbunden, schon einige von uns arg gebeutelt haben. Diese Probleme haben wir gemeinsam gemeistert. Jedoch nichts hat uns bisher so zusammengeschweißt wie die Angst um das Leben dieses kleinen Kerlchens.

Kommentare