Noch keinen Rollator dafür aber die Rolling Stones

14.06.2017

Liebe Leser in unserer WG sind wir 4 Paare und leben an der Ostsee, unsere Renten liegen so um die 1.000 Euro, wir sind zwischen 65 und 75, bewohnen in unserer WG alle eine eigene Wohneinheit und leisten uns zusammen eine Haushälterin. Wir sind, bis auf kleine altersbedingte Wehwehchen, fit. Wenn unser Paul dazu befragt wird, wählt er immer die Kurzform: „Es ist noch keiner gaga und wenn, kann es nur besser werden“. Na ja, jemand der schon in jungen Jahren etwas aus dem Ruder gelaufen ist, so wie unser Paul, ist meistens im Alter für den Rest der Truppe immer wieder eine amüsante Herausforderung.

Um nachzuvollziehen wie wir ticken, berichte ich hier teilweise über sehr persönliche Dinge liebe Leser, da werden Sie sicherlich verstehen, dass ich keine Fotos oder Filmchen ins Netz stellen kann. Würde ich das machen, hätten wir in unserer WG den ersten Todesfall (kleiner Scherz am Rande).

Kaum auszudenken, wenn mein Mann im Bäckerladen angequatscht wird: „sind Sie nicht der Wolfgang aus der WG“ und dann auch noch mit guten Ratschlägen oder kritischen Bemerkungen konfrontiert wird.

Oder Dirk, der glaubt seinen Alkoholkonsum unter Kontrolle zu haben, jedoch nach ein paar Bierchen im Lokal bedenklich gemustert wird.

Unsere elegante Maren von irgendeinem Fremden gefragt wird, wie geht es ihrem Bruder, hat der sein Drogenproblem jetzt im Griff.

Oder Gudrun, wenn sie im Cafe zum Apfelkuchen eine doppelte Portion Sahne bestellt, aus irgendeiner Ecke belustigt zu hören bekommt, na heute keine Diät oder hat Änne heute nicht gekocht, ha, ha, ha

Oder ich: „Ist ja alles gut und schön was sie sich da zusammenschreiben, aber finden sie das gut, wie sie regelmäßig ihre WG-Mitglieder hier in die Pfanne hauen“

Boo, kaum auszudenken. Das ist dann nicht mehr witzig. Also beschränke ich mich auf meine kleinen Geschichten. Ihre nötige Phantasie, wie wir aussehen, setze ich einfach mal voraus.

Diese Seite sollte auch nur eine Motivationsseite sein, selber so eine WG zu gründen.

Wenn Sie mein Buch (bißchen Werbung muß sein: Die fidele Alten-WG in Laboe) gelesen haben oder meine Geschichten im Blog verfolgen, konnten Sie sicherlich feststellen, dass wir kein langweiliger Haufen sind, die sich aus Angst vor dem Alter oder Einsamkeit zusammengeschlossen haben. So nach dem Motto. Ach, jetzt haben wir ein schönes beschauliches Leben, das lassen wir uns durch andere nicht versauen. Aber später, was ist dann? Sollen wir uns das antun oder einfach nur abwarten?

Nee, es ist die Bereicherung pur. Früher war ich eigentlich, mit kleinen Ausnahmen, ein typischer Kulturbanause. Ich war zwar mit Mann, Kinder, Hunde, Haus und Garten, Rouladen und Napfkuchen meistens zufrieden, doch jetzt entdecken mein Mann und ich, dank unserer Mitbewohner, was es heißt, ab und zu seinen Horizont zu erweitern mit einer Ausstellung oder Theaterbesuchen oder einfach nur um Spaß zu haben. Dazu gehört ein Abend mit Volker Pispers, ein Kinobesuch mit Popkorn und „Fack ju Göhte“ oder ein Rockkonzert der Rolling Stones. Hätte ich meinen Mann alleine dazu aufgefordert: „Ach, weißt du, so richtig ist das glaube ich nichts für mich, wenn die meinen mit ihren 70 Lenzen noch auf der Bühne herumspringen zu müssen, sollen sie.“ Bei ihm wäre dann die Parkplatzsuche schon eine echte Herausforderung und eine Hotelübernachtung käme aus Kostengründen schon gar nicht infrage. Paul und Gudrun sind mitgefahren. Wir hatten einen tollen Abend und einen super Platz (war ein Geschenk unserer Söhne). Paul und mein Mann waren in so guter ausgelassener Stimmung, dass wir uns fragten, ob die ein anderes Bier hatten als wir. Von Gudrun habe ich dann später erfahren, dass die beiden sich vor dem Konzert einen Joint genehmigt hatten. Immer wenn mein Mann heute etwas stinkig darauf ist, frage ich ihn: „wie wäre es mit etwas Gras“ Kommt auch nicht gut !!! Als meine kleine Enkelin diesen Kommentar mal mitbekommen hatte und ihrem Vater ganz unbefangen mitteilte: „Oma ist witzig. die fragt Opa, ob er Gras will.“ Anschließend konnte ich mir dann von meinem Sohn anhören, dass ich mir in Gegenwart seiner Tochter solche Kommentare verkneifen sollte. Recht hat er ja der Junge. Das schadenfrohe Grinsen meines Mannes passte mir jedoch nicht.

Alle diese Dinge lassen uns wieder im Geiste jung und teilweise ausgelassen (auch ohne Gras) sein. Probieren Sie es einfach aus liebe Leser. Schon allein Ihr Interesse für diese Seite zeigt, dass es für Sie infrage kommen könnte. Einige haben schon ihre Bereitschaft signalisiert. Wege, sich erst mal kennen zu lernen, gibt es genug.

Liebe Grüße und bleiben Sie gesund

 

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