Neuanfang mit über 60

13.02.2017

Wie sich jeder denken kann, war es für keinen von uns einfach, alles hinter sich zu lassen und mit über 60 Jahren einen Neuanfang zu wagen.

Hört sich alles prima an, am Meer mit Freunden und Haustieren gut versorgt das Alter genießen.

Wir haben etwas aufgegeben, was uns vertraut und lieb war. Das Haus, die Wohnung, der liebevoll gestaltete Garten, die Nachbarn, mit denen wir mit viel Bier und gegrillten Würstchen das Gartenhäuschen aufgebaut haben. Die nette Bäckereiverkäuferin, die genau wußte, dass wir nur die ganz hellen Brötchen möchten, die fürsorglich schon mal für uns die Tageszeitung zur Seite legte usw. usw. Sie wissen was ich meine. Eigentlich war jeder irgendwie zufrieden. Wenn nicht das später wäre und die Menschen, die einem damit immer wieder Angst machen (so hat es zumindest mein Mann anfangs gesehen)

Wie ich aus den vielen Mails ersehen kann kommt häufig der Satz: „SPÄTER UND DANN MIT DEN RICHTIGEN LEUTEN.“ Sie wissen, dass es meistens bei später bleibt, und wo die richtigen Leute hernehmen.

Viele brauchen im Alter Rituale. Es ist zwar ein schleichender Prozess, aber er wird irgendwann in Gang gesetzt. Nicht alle, jedoch sehr viele können es nachvollziehen. Wenn man sich noch mit 25 Jahren über jeden unverhofften Besuch gefreut hat und freudestrahlend die Tür aufgerissen hat, sieht es mit 45 (45 ist ja noch kein Alter) oftmals schon etwas anders aus, wenn gegen 20.00 Uhr passend zu den Abend-Nachrichten (die Wolldecke in der Hand, die Couch im Augenschein) jemand klingelt. Vom Partner, der es sich mittlerweile schon bequem gemacht hat kommt dann noch der missmutige Spruch: „Wer ist das denn, wieder eine von deinen Freundinnen, die uns hier vollqualmt und vollquatscht. Ich dachte wir machen uns einen gemütlichen Abend?“

Man hat sich eingerichtet und gemütlich gemacht. Später, später, später? schauen wir mal!!!

Machen wir uns nichts vor. War bei uns genau so.

Wir haben uns oft und tun es immer noch darüber unterhalten wie man so eine unabhängige Wohngemeinschaft mit Freunden sonst noch hätte gestalten können.

Die Kinder ziehen aus. Man  sitzt alleine oder zu zweit in einem viel zu großen Haus. Einigen Freunden geht es genau so. Andere haben eine Eigentumswohnung ohne Aufzug  oder eine teure Mietwohnung. Evtl. leben all diese Freunde in einer Stadt. Eine Stadt, die ihnen gefällt und in der sie heimisch geworden sind. Warum dann nicht in dieser Stadt gemeinsam ein Projekt finden oder bauen.

Ja, könnte man machen – MIT DEN RICHTIGEN LEUTEN!!!

Bei unseren Freunden und Verwandten stellen wir immer noch fest, dass sie sich viel zu spät mit dem Alter auseinander setzen. Was bedeutet, einen Alltag ohne Beruf zu leben und die ersten körperlichen Einschränkungen zu verkraften – das machen die meisten ganz allein mit sich selbst ab. Der berufliche Druck ist weg, aber ein Erwartungsdruck bleibt. Auch das Alter soll gelingen.

 

 

 

 

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