Mit Sack und Pack nach Italien war schon damals prima

04.05.2017

Sind Sie in den 60iger Jahren auch mit Sack und Pack nach Italien gefahren ?

Wir 3 Kinder saßen auf der Rückbank eines alten Opels. Mein Bruder und ich in der Pubertät und unsere kleine Schwester saß mit ihren drei Jahren zwischen uns und ging uns tierisch auf den Geist. Meine Eltern ließen sich nur selten aus der Ruhe bringen. Der Wagen war bis in die letzte Ritze vollgepackt für einen 4wöchigen Campingurlaub in Rimini. Es gab keine Sicherheitsgurte oder Schalensitze für Kinder, dafür wurde auf der Rückbank gekniffen, geboxt und geheult. Meine Mutter schmierte auf dem Beifahrersitz die Brötchen, hatte ein großes Messer in der Hand und auch keine Probleme in Italien den Dorfsheriff an der Kreuzung mit dem Messer in der Hand zuzufuchteln und immer zu schreien Rimini, Rimini, Rimini ???. Der schrie dann nur Mamamia und zeigte in irgendeine Richtung.

Für uns und unsere Eltern war Italien das erste Urlaubsland. Mein Vater war Berufssoldat und hatte über das ganze Jahr alle die Konservendosen aus irgendwelchen Manövern gesammelt, die seine Kameraden nicht wollten. Erstaunlich was es alles in Konserven gab, Marmelade, Wurst, Brot usw. Es wurde in dem 5Mann-Zelt ein Loch gebuddelt, das war unser Kühlschrank. Für uns Kinder waren es die schönsten Urlaube. Mein Vater war nach dem Manöver mit seiner Familie immer froh, wenn er wieder zuhause war.

Jetzt fragen Sie sich, was hat das mit Wohngemeinschaften zu tun. Ha, ha, ha, ganz viel, das war die Familien-Wohngemeinschaft, die mir am besten gefallen hat. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich, aber so ein bißchen ist die Faszination „Italien“ erhalten geblieben.

Susanne und Dirk waren eigentlich immer mehr für eine Wohngemeinschaft im Süden. Da sie aber nicht so weit von ihren Kindern entfernt wohnen wollten – und wir das genau so sahen – wurde es dann doch Laboe. Da es Susanne aber gesundheitlich im Süden besser geht, sind sie und ihr Mann Dirk oft im Süden.

Sie besuchen dort in der Toscana Ute und ihre beiden Freundinnen. Ja, genau auch eine Wohngemeinschaft. Das Haus ist meilenweit von einem Luxusobjekt entfernt. Zwar müssen sie kein Loch buddeln um das dann als Kühlschrank zu nutzen, aber, aber Susanne und Dirk bewohnen doch lieber eine günstige Pension in dem Ort.

Die drei Rentnerinnen haben das Haus vor 4 Jahren für 65.000 Euro !!! gekauft. Da sie kein Geld hatten und in ihrem Alter auch keinen Kredit mehr bekommen, hat der Sohn von Ute einen Kredit aufgenommen. Den bezahlen die drei ab. Der Sohn ist der Besitzer und hat schon einiges modernisiert. Er hatte zunächst so seine Bedenken, als seine Mutter mit ihren Freundinnen sofort da einziehen wollte. Es gab keine Heizung und auch sonst nur wenig Annehmlichkeiten. Ute und ihre beiden Mitbewohnerinnen bestanden darauf und meinten: „schon Goethe hat in Italien seine Kreativität wiedergefunden. Wir sind da eben etwas schlichter, genügsamer und trotzdem voller Kreativität. Eine der drei Freundinnen war früher Sprechstundenhilfe. Sie fährt ab und zu mit dem Fahrrad in den nächsten Ort und hilft dort einem älteren Arzt, der ehrenamtlich Patienten behandelt. Na ja, da lernt man zwangsläufig viele Leute und die Sprache kennen und natürlich auch welche, die günstig eine Heizanlage einbauen können.

Die drei waren mal für eine Woche bei uns in Laboe. Waren natürlich begeistert von unseren Häuslichkeiten und sahen auch die Problematik die eine evtl. Pflegebedürftigkeit mit sich bringen würde in ihrem Domizil, jedoch habe ich selten (außer natürlich wir)  so eine ruhige, gelassene Zufriedenheit gespürt, wie diese Frauen sie ausstrahlen. Dirk – unser Goethe -sagte: „die drei bringen die Sonne des Südens in unser Haus“.

Oder besser von Goethe:

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn, ein Sanfter Wind vom blauen Himmel weht, die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, kennst du es wohl? dahin! dahin! möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!

Genug von Italien, bei uns ist es auch schön!!!

So, in diesem Sinne noch einen entspannten Abend meine lieben Leser

Ihre fidele WG aus Laboe

 

 

 

 

Kommentare