Mein Mann der Meckerkopp und Rudi der Verzauberte

17.02.2017

„Jaaaa, wieder einen Abonnenten mehr“ war bis jetzt mein Begeisterungsausruf nach dem morgentlichen Frühstück mit meinem Mann. Jetzt macht er das und veräppelt mich mit seinem Ausruf „Jaaa, wieder einer“

Sobald ich meinen Laptop geöffnet habe kommt von ihm dieser missmutige Ausruf. Zudem möchte er lieber mit mir in trauter Zweisamkeit frühstücken und nicht mit Gudrun und Paul, die morgens mit Änne in der großen Küche im Haupthaus frühstücken. Morgens könne er das Geschnatter von mir, Änne und Gudrun noch nicht am Kopp haben. Er wollte auch nicht wissen, was ich alles bei Facebook zum besten gebe. Er ist eben ein typischer Morgenmuffel. Manchmal habe ich aber auch die Faxen dicke, dass er sich mit mir nicht über die große Resonanz zum Blog „Wohngemeinschaften im Alter“ freuen kann. Mein Kommentar: „Keine Angst, es wird dich in Laboe schon keiner anquatschen und fragen: „Sind sie der Ar… der ihrer Frau keine Blumen zum Vallentinstag gescheckt hat.“

So, das sei auch mal gesagt !!!

Na ja, auch Gudrun, Maren und Susanne meinen, dass es was für sich hat, dass die Herren unserer Wohngemeinschaft null Interesse an Facebook hätten.

Immer Friede, Freude, Eierkuchen ist bei uns auch nicht. Daher ist es mehr als wichtig, dass wir uns ab und zu mal aus dem Wege gehen können. Sie liebe Leser wollen auch kein Gemecker oder Gejammer lesen. Wie Sie selber wissen,  gibt es viele schöne und lustige Dinge an die man sich bis ins hohe Alter gerne erinnert.

Vor Jahren hatte ich mein erstes Buch in den Händen. Ich hatte das Cover selber gemalt, kannte einen Germanistikstudenten der es lektoriert hat (der hatte genau so wenig Ahnung von Zeichensetzung und Rechtschreibung wie ich) meine Schwester kannte jemanden der das für 2,90 Euro gedruckt hat. Für 3,50 Euro ging es an die Buchhandlung, die Post, Hafen-Shop und in Barbaras Schatzkästchen und wurde dann für 5,60 Euro verkauft.

Damals zeigte sogar mein Mann noch Begeisterung und war stolz auf seine Frau. Wir hatten uns überlegt, dass sich die Bücher am besten verkaufen ließen in einer bunten Kiste mit einem aus Sperrholz großen schielenden Leuchtturm. Mein Mann war derjenige, der die meisten Leuchttürme mit der Laubsäge aussägte. Maren und ich bemalten sie. Machte sich echt gut vor dem Kiosk von Barbara. Nur was Barbara am häufigsten nachbestellte war die Deko „die schielenden Leuchttürme“, die sie inzwischen für 1 Euro das Stück verkaufte.

Na ja, was soll‘ s. Heute schreibt eben jeder Hans und Franz ein Buch. Der Erlös sollte an das Meyelin-Projekt gehen. Ein Forschungsprojekt betreffend Multiple Sklerose. Der Mann meiner Schwester ist daran leider erkrankt.

Doch der erste Abend als meine Schwester mit den Büchern aufkreuzte ist unvergessen.

Wir hatten wieder unseren Weiberabend in Harrys Fischküche und warteten auf Rudi. Meine Schwester hatte schon vorher eine Kiste mit den Büchern in Barbaras Schatzkästchen abgestellt.

Eine Bekannter kam ins Lokal sah uns da sitzen und lachte: „Rudi rennt da auf der Strandstrasse herum, hat ein Buch in der Hand und schreit den Leuten zu, er  „Der verzauberte Rudi“ stünde in dem Buch.“

„Wie, ist der besoffen?“ „Nee, glaub ich nicht, aber in was für einem Buch seht der?“ Meine Schwester ging zum Wagen und holte direkt eine Kiste voller Bücher heraus und stellte sie auf den Tisch.

Rudi traf ein, umarmte mich überschwenglich – so wie es seine Art ist – Das müßte gefeiert werden. Die Getränke wollte er übernehmen. Ich weiß nicht mehr wer alle anschließend den Kanal voll hatte. Auf alle Fälle hatte Rudi kurzfristig einen weiteren Tisch als Verkaufstisch in dem Lokal umfunktioniert und er war es auch, der nach 2 Flaschen Wein den Leuten die Widmungen in das verkaufte Buch schrieb.

 

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