Holgers Fensterbilder

30.01.2017

Wie bereits erwähnt sind meine selbstgestrickten Socken nicht so gut angekommen. Da sieht es mit den Bleiverglasungen von Holger schon anders aus. Susanne und ich konnten ihn überreden, seine Kunstwerke in Franziskas Hotel auszustellen. Auch ohne Hotel ist Franziska die Frau mit dem gewissen Etwas. Auf den Mund ist sie ebenfalls nicht gefallen. Ich kann mich noch gut an eine plumpe Anmache eines stark angetrunkenen Gastes erinnern, der zu ihr sagte:“Wenn sie ihre Brille nicht tragen, sehen sie gar nicht so übel aus.“ Vorauf sie ihn angrinste und erwiderte: „Wenn ich meine Brille absetze, sie auch nicht.“

Ansonsten besteht aber in ihrem Hotel ein ausgemacht freundliches Ambiente. Da ihr Hotel über sehr viele große Fenster verfügt, war es genau das richtige für Holgers Bleiverglasungen. Es handelt sich um echte Bleiverglasungen, ein altes Kunstwerk, darauf legt Holger den allergrößten Wert. Wehe einer versucht irgendwelche Parallelen zu einfachen, aufgemalten Bleiverglasungen herzustellen oder gar das Wort Tiffaniarbeiten zu erwähnen, der kann sich auf einen ellenlangen Vortrag gefasst machen.

Holger ist auf dem Gebiet ein Meister. Er hat ein sicheres Gefühl für Farben und versteht es aus vielen unterschiedlich geschnittenen Gläsern die schönsten Motive zu zaubern. Besonders gut gefällt mir seine toskanische Landschaft. Das große Bild hängt natürlich im Fenster unseres Kaminzimmers. Die kräftigen Farben der Toskana kommen hier voll zur Geltung. Sie schillern jedoch je nach Lichteinwirkung mal in zarten sanften Tönen, um dann wieder gegen Spätnachmittag langsam in kräftigen Farben überzuwechseln. Maren hat recht,wenn sie sagt, das seine Bilder leben. Seine Frau Maren hat es übernommen, seine Kunstwerke an den Mann bzw. Frau zu bringen, da Holger im Verkauf eine einzige Katastrophe ist, wenn die Interessenten nicht sofort in Begeisterung ausbrechen und in ihm und seinem Werk den wahren Künstler sehen. Das konnten wir auch an dem besagten Tag feststellen.

Gudrun, Susanne und ich hatten uns am Vorabend darauf geeinigt, dazu beizutragen, das Geschäft mit Maren zusammen anzuheizen. Wir wollten alle morgens in dem Hotel Frühstücken und waren natürlich neugierig, welche Reaktionen die Bilder bei den Gästen hervorrufen würden. Die Bilder hatten Holger und Maren mit Freddys Hilfe (der Mann unserer Haushälterin Änne) schon am Vorabend in allen Hotelfenstern im unteren Bereich aufgehängt und boten am darauffolgenden Morgen ein herrliches Farbenspiel.

Holger und Dirk sind morgens nach Kiel gefahren. Wir konnten also davon ausgehen, dass die beiden nicht so schnell auftauchen würden. Die ersten Hotelgäste trafen zur Frühstückszeit ein und waren sehr angetan von den Fensterbildern. Einige wussten den Wert dieser Bilder sicher einzuschätzen und schreckten auch nicht davor zurück, dass diese Bilder je nach Größe und Gläser teilweise 1.500 bis 4.000 Euro kosten sollten. Sie informierten sich an der Rezeption nach dem Künstler und sagten, wenn der Urlaub zu Ende sei, hätten sie sich sicher mit einem der Bilder so vertraut gemacht, dass sie es evtl. kaufen würden.

Doch wie es das Schicksal will, trafen Künstler Holger und unser Dirk genau in dem Moment ein, in dem ein Berliner Ehepaar seine unqualifizierten Kritiken über die Bilder an der Rezeption freien Lauf lies:“Also, det glob ik nich, hörn se ma, dett darf doch wohl nich wahr sein, dett sonn Bastler mit seene bunten  TIFFANI-SCHINKEN so viel Kohle abzieht, wa. Mene Frau hat dett inne Volkshochschule jemacht.“

BASTLER, TIFFANI-SCHINKEN, das war zuviel für unseren Holger. Am liebsten hätte er den „Macker“ und „Kulturbanausen“ in Grund und Boden gekloppt, wie er uns später versicherte. Gott sei Dank war Franziska in der Nähe, hat sich bei Holger eingehakt und ihn in ihr Büro gezogen – zum Glück, so konnte er nicht sehen, dass Dirk einen fürchterlichen Lachanfall bekommen hatte und kaum zu beruhigen war. Mittlerweile hat Holger seinen Schock überwunden und hat danach an seine nächste Ausstellung gearbeitet, die in Kiel stattfand.

So allmählich bekommen Sie einen Einblick liebe Leser wie wir acht ticken. Würde auch gerne die passenden Bilder dazu liefern. Das hat aber der Rest der Truppe verboten.

 

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