Heinichen und die Altenwohngemeinschaft

28.01.2017

Heute mal unser Heinichen und die Wohngemeinschaft

In jungen Jahren waren wir mit unseren Kindern meistens in der Zeitspanne von Mai bis September in Laboe. Es war Trubel und Strandurlaub angesagt. Heute ist für uns die schönste Zeit im Herbst und Winter. Mit dem Fahrrad fahren wir auf dem Deich entlang und besuchen das beheizte Meerwasserwellenbad.

In einer Gaststätte auf der Strandstrasse wärmen wir uns nicht selten nach einem langen Winterspaziergang durch Eis und Schnee mit einem „steifen“ Grog auf. Da kann es schon mal reichlich spät werden, wenn aus dem steifen Grog ein paar  mehr werden.

Es ist natürlich nicht so, dass wir immer alle unter einem Hut bekommen. Laut Paul kann man schließlich nicht immer im Rudel auflaufen. Regelmäßig nehmen an diesen Spaziergängen Paul, seine Frau Gudrun, mein Mann Wolfgang und ich teil. Oftmals ist es so, dass wenn wir in unserer Lieblings- Kneipe ankommen und unser Dirk schon mit Heini, dem großen Witzerzähler, etwas vorgeglüht hat, das heißt, er hat schon einige Grogs auf und Heini hat Dirk schon mit einigen Witzen amüsiert. Im Gegensatz zu Dirk findet seine Frau Susanne Heini unmöglich und ekelig.

Ein Glück für Dirk, so bleibt Susanne schön zuhause und sie kann seine Grogs und Bierchen nicht zählen und die anderen – also wir – wollten ja unbedingt in diese Gaststätte, in der wir regelmäßig Heini treffen.

Wer ist Heini? Heini ist ein kleiner, aus der Form geratener Mann um die 70 Jahre. Er hat ein sehr volles, meistens stark gerötetes Gesicht, welches in direkter Verbindung mit dem Oberkörper steht – also einen Hals hat er offensichtlich nicht. Seine blutunterlaufenen wässrig-blauen Augen werden durch seine Schlupflieder fast ganz verdeckt. Seine paar grauen Haare hat er mit etwas Haarspray von der rechten auf die linke Seite geklebt. Was er da mitten im Gesicht hat, war sicherlich vor Jahrzehnten mal eine Nase. Jetzt ist dazu nur noch Knolle zu sagen. Diese Knolle schimmert leicht bläulich und wird zu allem Überfluss auch noch mit einer behaarten Warze geschmückt.

Von einem gefälligen oder annehmbaren Erscheinungsbild kann man hier sicherlich nicht reden, das hält Heini aber offensichtlich nicht davon ab, sich unwiderstehlich zu finden. Es versäumt es nie, uns „alte Schrauben“ zu verdeutlichen, dass wir sicherlich auch schon bessere Zeiten gesehen hätten und man sich als Mann, sofern man natürlich über die finanziellen Mittel verfügt, auch noch im späten Alter „junge Dinger“ leisten könne. Die meisten Männer seien aber Gewohnheitstiere, und man hält ja gerne an altvertraute Dinge fest.

Heinis Witz: Zwei ältere Männer auf einer Party: „Ganz schön viel Frischfleisch hier.“ „Das kannste laut sagen, leider habe ich meine Konserve dabei.“

Ich kann mich noch gut an diesen ersten Heini-Abend erinnern. Mein Mann Wolfgang, Paul und Dirk, in bester Groglaune, schüttelten sich vor Lachen. Gudrun, Susanne und ich grinsten säuerlich und kochten innerlich. Unsere Döspaddels amüsierten sich mit diesem minderbemittelten Angeber auf unsere Kosten. Bei Gudrun war der Siedepunkt erreicht. Sie parierte giftig: „Ja, mein Lieber, die Welt ist nun mal grausam zudem leider nur auf Äußerlichkeiten abgestellt. Leider haben manche das Pech, so hässlich zu sein, dass die jungen Dinger schon blind sein müssen. Aber vielleicht hat so ein alter hässlicher Sack noch Glück, so nach dem Motto:“ Nur der Blindenhund hat etwas geknurrt.“ Da trat Stille ein, jeder wußte wer gemeint war. Gudrun war das egal. Es hatte gesessen. Die Männer waren etwas betroffen und schauten Heini mitleidig an.

Susanne und ich taten so, als wenn wir nicht wüssten um was es ginge. Gudrun setzte noch leicht ironisch einen drauf: „Jemand noch einen Grog, vielleicht können wir uns ja schön saufen.“

Heini entschärfte die Situation in dem er noch einen Witz um Besten gab: „Zwei ältere Damen spazieren über den Friedhof. Holt die eine einen Lippenstift und Lidschatten raus, beginnt sich zu schminken. Die andere fragt erstaunt:“ wie alt sind sie denn?“ -68″ – und da schminken sie sich noch?“ Die andere Dame entgegnet: „Wie alt sind  denn Sie?“  -98″ – und dann gehen Sie noch nach Hause?“

Wenn wir heute in der Kneipe Heini begegnen, ist es Gudrun, die mit weit ausgebreiteten Armen auf Heini zugeht und ihn mit den Worten empfängt: „Heinichen, der Traum meiner schlaflosen Nächte“

Es ist nicht zu übersehen, dass Heinichen das gefällt. Er hat sich angewöhnt, uns Frauen mit Küßchen zu begrüßen. Das hat Susanne gänzlich davon abgehalten, noch einmal die Kneipe zu betreten. Heini ist immer noch ein Angeber, wenn wir Frauen dabei sind, hält er sich jedoch mit seinen frauenfeindlichen Äuserungen zurück. Geht doch!!!!

 

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