Gudrun und Paul bringen Leben in die Bude

19.02.2017

Heute stellte ich Ihnen Gudrun und Paul vor.

Es ist schon erstaunlich, wie anspruchsvoll oder anspruchslos manche sind. Paul zum Beispiel, dem war es von Anfang an piepegal, ob die Fliesen in seinem Wohnbereich bahamagelb oder tizianrot sein sollen. „Er wäre am liebsten schon mit 35 dem Verein beigetreten“, so seine Frau Gudrun, „Hauptsache er hat immer seine Unterhaltung und es kommt ihm keiner mit Vater- und Ehepflichten.“ Paul, seine Frau Gudrun und ihre beiden hyperaktiven Kinder Timo und Beate wären eigentlich schon in jungen Jahren mit betreutem Wohnen bestens aufgehoben gewesen.

Gudrun war von dem Projekt Wohngemeinschaft sofort begeistert. Mit ihrem Hang zur Übertreibung: „Oh, toll eine alte Villa, da sind natürlich Mamorfußböden, Stuckarbeiten einschließlich Masseur mit einem Knackarsch Pflicht, ha, ha, ha“

Pauls Kommentar dazu: „Will jetzt noch einer behaupten, die Frau ist nicht durchgeknallt.“ Gut, etwas durchgeknallt ist sie. Das ist gerade das liebenswerte an ihr. Man kann sich mit ihr stundenlang unterhalten, kommt zwar zu keinem Ergebnis, fühlt sich aber trotzdem besser als vorher. Ich weiß bis heute nicht, wie sie das macht. Sie hat zwar oftmals eine große Klappe, so nach dem Motto: „Juckt mich nicht, die Blagen sollen zusehen wie sie fertig werden. Aber wenn was mit ihren Blagen ist, kann man gar nicht so schnell gucken wie Madam Richtung alte Heimat fährt um die Dinge vor Ort zu regeln. Warum Paul seine Frau ab und zu „Schneckchen“ nennt, bleibt deren nicht nachvollziehbares Geheimnis. Sie nennt ihn ab und zu „Stinker“. Einen unangenehmen Geruch konnte ich jedoch bei unserem Paul noch nie feststellen. Stinker und Schneckchen haben im Gegensatz zur restlichen Truppe keine Hemmungen sich auch vor uns verbal fertig zu machen. Da die beiden schon etliche Jahre verheiratet sind, zwei nicht gerade einfache Kinder großgezogen haben und sich insgesamt auch noch an 6 Enkeln erfreuen können sehen wir bei den beiden diese Dinge sehr gelassen.

Gudrun, genau wie ich, gehören zu den barocken Typen. Schon in jungen Jahren hat sie sich von ihrem Straßenköterblond (ihre Worte) verabschiedet und ist zum gesträhnten goldblond übergegangen. Sie trägt eine pfiffige, fransige Kurzhaarfrisur, die ihre großen dunkelbraunen Augen voll zur Geltung bringen. Auf ihre Grübchen könnte man fast neidisch sein. Kein Mensch achtet auf die vielen kleinen Fältchen um die Augen, alles starrt nur auf diese verdammt jugendlichen Grübchen.

Paul „der Versicherungsvertreter“ – so nennt mein Mann ihn wenn Paul irgendwas gemacht hat, was ihm nicht passt – hatte eine eigene Versicherungsagentur. Die hat jetzt sein Sohn Timo übernommen. Genau so wie das ehemalige Haus der Eltern. Gudrun und Paul sagen, wenn sie heute ihren Sohn Timo, seine Frau Astrid und ihre 4 Enkelkinder in ihrem ehemaligen Haus besuchen, hätten sie jedes Mal die Bestätigung, dass sie alles richtig gemacht haben. Sie seien immer wieder froh wenn sie nach einem Wochenende aus diesem sehr lebhaften Haus Richtung Laboe düsen können und wieder zuhause sind.

Paul ist derjenige, der eigentlich nie schlechte Laune hat. Ab und zu plagen ihn zwar seine Gichtanfälle. Seinen Fleischkonsum stellt er dann zum Leidwesen von Gudrun trotzdem nicht ein. Wozu gibt es Kühlmanschetten und Tabletten. Paul ist der Liebling unserer Änne. Er ist immer voll begeistert von ihren Kochkünsten und tanzt auch schon mal mit ihr durch die Küche wenn es ihm besonders gut geschmeckt hat und er keinen Gichtanfall hat.

Eine typische Geschichte über Paul, die Gudrun mal erzählte:

Der (Paul) hat damals seiner Sekretärin zu Weihnachten immer eine Kiste mit 6 Flaschen Wein geschenkt. Sie habe ihm gesagt, er solle seiner Sekretärin doch mal ein gutes Parfum kaufen. Er sagt der Sekretärin, sie würde immer so gut riechen, sie könne doch sicherlich ein edles Parfum besorgen, dass bräuchte er für eine gute Kundin, die ihm wichtig sei. Dann läßt er das Parfum auch noch von seiner Sekretärin einpacken und dann schenkt er ihr das und sagt „Frohes Fest“. Mir hat das gefallen und ich habe gelacht. Gudrun fand es unsensibel.

Paul und mein Mann verstehen sich pima. Das sah anfangs nicht so gut aus. Doch heute gehen „der Landarzt“  und „der Versicherungsvertreter“ gemeinsam angeln oder machen lange Spaziergänge mit unseren Hunden. Ab und zu ist dann auch so ein kleiner Ausflug zur Dorfkneipe fällig. Dann verstehen sie sich besonders gut. Oder wenn es um irgendwelche Sparmaßnahmen geht. Da sind die beiden Geizhälse sich immer einig.

 

 

Kommentare