Frauen und Männer in einer Wohngemeinschaft

22.01.2017

Eines sei zu dieser Wohngemeinschaft bemerkt: Es könnte nicht funktionieren, wenn wir Frauen uns nicht versehen würden.

Gudrun und ich gehören eher zu den barockeren Typen. Gudrun hat sich, wie sie selbst so schön sagt, schon in jungen Jahren von ihrem Straßenköterblond verabschiedet und ist zum gesträhnten goldblond übergegangen. Sie trägt eine pfiffige fransige Kurzhaarfrisur, die ihre großen dunkelbraunen Augen voll zur Geltung bringen. Auf ihre Grübchen könnte man fast neidisch sein. Kein Mensch achtet auf die vielen kleinen feinen Fältchen um die Augen, alles starrt nur auf diese verdammt jugendlichen Grübchen.

Ich hatte immer goldblonde Haare, zugegebenermaßen auch reichlich davon. Obwohl schon sehr viel Grau mitspielt, versuche ich die Haarfarbe zu halten. Hier hört die Emanzipation auf. Für meinen Mann Wolfgang ist es wichtig, dass seine Frau die Mähne behält. Meine Argumente, das ich manchmal wie eine bayrische Landpomeranze oder wie eine Alt68iger aussehe, die die Neuzeit verpasst hat, läßt er nicht gelten.

Beide mit einem etwas derben Humor ausgestattet, verstehen Gudrun und ich uns besonders gut. Unsere Denkweise gehört jedoch in die Kategorie, das Glas ist nicht halb leer sondern halb voll.

Susanne, die mit Dirk verheiratet ist und Maren, die Ehefrau von Holger, sind wie man so schön sagt, ganz ganz Liebe.

Susanne ist zwar schon über 60, aber irgendwo immer noch Mädchen geblieben. Vielleicht ist es etwas daneben, dass sie ihre blond/grauen Haare immer noch sehr lang und offen trägt. Sie hat zwar sehr feine Haare, aber auch ihr Mann mag am liebsten lange Haare und wenn es nur drei sind.

Sie macht überhaupt sehr viel um ihrem Dirk zu gefallen. Um ihre Topfigur zu halten meidet sie strikt Sahnetorten oder sonstige figurvernichtenden Genüsse. Manchmal ist es schon faszinierend wie sie immer noch ihren Dirk anhimmelt und am lautesten über seine Witze lacht. Dirk genießt es sichtlich, schon über Jahre so einen treuen Fan zu haben. Er dankt es ihr mit kleinen Geschenken und spontanen liebevollen Umarmungen. Zugegeben, auf diese liebevolle Zuneigung, die Dirk seiner Susanne so offen entgegenbringt, sind Gudrun und ich so manches Mal eifersüchtig. Wenn wir das bei unseren Männern Paul und Wolfgang einfordern, müssen wir uns mit dem Kommentar: „Ach das auch noch“ oder „Man werd bloß nicht anstrengend“ auseinandersetzen.

Sie wundern sich sicherlich, dass ich so offen über unsere Mitbewohner und Freunde berichte. Ich habe vorher ihr OK eingeholt. Wie allen klar sein dürfte, hat jeder so seine Macken. Wenn sie jedoch liebevoll geschildert werden und das Positive auch zu Worte kommt bestehen keine Einwände oder?

 

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