Figurprobleme werden mit Sahnetorte bekämpft

07.03.2017

„Was soll das meine Liebe, dann nimmst du das Kleid eben eine Nummer größer, schließlich bist du ja auch keine 20 mehr und Größe 44 mit 66 Jahren geht doch noch. Und noch was, das Leben ist keine Reise mit dem Ziel, attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen. Wir sollten lieber versuchen, seitlich hinein zu rutschen , Schokolade in einer Hand, Martini in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreien: „Wow, was für eine Fahrt!“

Meine Freundin Gudrun hatte mal wieder einen Spruch abgelassen, der kaum zu toppen war. Größe 44 „G e h t  ja noch“ und mit Martini und Schokolade seitlich ins Grab rutschen, was sollte der Unsinn?

Ich ärgerte mich über Gudrun und meine Konfektionsgröße und bemerkte gehässig: „Du kannst dir ja ein Kleid in Größe 46 zulegen, einen Riegel Schokolade und eine Flasche Martini kaufen und schon mal anfangen zu rutschen, ich werde trotzdem abnehmen.“

Die Verkäuferin starrte uns entgeistert an und wußte dieses Geplänkel nicht richtig einzuordnen. Nach dem Auftritt musste sie glauben, wir planen unsere eigene Beerdigung.

„Würden sie uns bitte das Kleid in Größe 44 zeigen.“ Unsere, liebe, damenhafte, zarte Maren, die Dritte im Bunde unserer Kieler Einkaufstour hat die Situation mit ihrer besonnen Art mal wieder gerettet. Ich nahm das Kleid eine Nummer größer und belohnte meinen Frust anschließend im Kieler Marktcafe mit einem Stück Apfelkuchen und einer großen Portion Sahne (so viel zum abnehmen).

Gudrun schaute mich versöhnlich an und meinte: „Ist doch völlig egal welche Konfektionsgröße, wichtig ist doch nur das wir alle zufrieden sind und es nichts Besseres gibt, als das Leben in vollen Zügen zu genießen, oder?“

„Du siehst, ich bin kaum aufzuhalten“, sagte ich und schob mir den letzten Bissen meiner Apfeltorte mit einem lang gezogenen „Mhhh“ übertrieben genussvoll in den Mund.

Gudrun hatte die wunderbare Gabe, so zu leben, als sei nächste Woche die Zeit abgelaufen. Sie isst gerne, sie raucht gerne und hat gegen ein oder zwei gute Tropfen auch nichts einzuwenden. Dass man ihr die 65 Jahre noch nicht ansieht, läge ganz allein an ihrer positiven Denkweise und den belebenden Streitgesprächen mit ihrem Mann Paul, versichert sie jedem.

Die belebenden Streitgespräche mit ihrem Mann Paul bleiben uns leider auch nicht immer verborgen. Anfangs haben wir immer noch geglaubt, jetzt ist endgültig der Bart ab. Doch eine halbe Stunde später säuselt Paul ganz selbstverständlich in Gudruns Richtung:“Schneckchen noch etwas Wein?“

Gudrun, die um keine Antwort verlegen ist, mit der größten Selbstverständlichkeit zu ihrem Übergewicht steht (mit dem Slogan, Paul mag lieber die barocken Typen), Gudrun, die ohne große Diskussion in ihr Auto springt, nach Düsseldorf rast, um ihren erwachsenen Kindern zur Seite zu stehen, sobald sich irgendwelche Schwierigkeiten zeigen, „Schneckchen“ zu nennen!!!

Paul muss es ja wissen, er wird übrigens von seinem Schneckchen „Stinker“ genannt obwohl er nicht unangenehm riecht. Gudrun und Paul sind der lebende Beweis, dass man im Alter nicht unbedingt ruhiger wird.

Mein Mann Wolfgang hat schon einmal treffend bemerkt: „Gut das „Schneckchen und Stinker“ unserem erlesenen Kreis angehören, so brauche ich mir keine Sorge zu machen, dass mein Blutdruck irgendwann in den Keller geht.“

Im Gegensatz zu Paul und Gudrun hat er nicht immer die beste Laune. Aber sich diesem, wie er selber so schön sagt, „erlesenem Kreis“ anzuschließen, habe ich trotzdem mit viel Mühe und weiblicher Intuition hingekriegt.

 

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