Die Villa wurde gefunden

23.01.2017

Außer Gudrun und meine Wenigkeit hatte zu Anfang keiner das Laboe-Projekt so richtig ernst genommen. Alle hatten sich in ihrer Heimatstadt etwas aufgebaut, fühlten sich dort wohl. Sahen eigentlich ganz entspannt ihrem baldigen Rentendasein entgegen. Unsere Urlaube verbrachten wird jetzt ohne unsere Kinder in Laboe. Verwandte und Freunde hatten sich oftmals für ein Feriendomizil in Spanien oder Italien entschieden. Einige von uns überlegten, in naher Zukunft evtl. auch einige Monate des Jahres dort zu verbringen.

Keiner wollte etwas ändern und wenn, dann käme nur der Süden infrage. In die Toskana, genau da wollten wir hin. Aber was wollten wir wirklich? Jahrelang haben wir nur in Laboe unseren Urlaub verbracht und nicht im Süden. Wir wollten den Kontakt zu unseren Kindern und Freunden nicht zu großen Entfernungen aussetzen.

Es blieb nur der toskanische Innenhof in unserem jetzigen Domizil, den wir von Anfang an alle wollten.

Es ist tatsächlich schon einige Jahre her, dass wir wie erschlagen das erste Mal vor unserer Villa standen? Dirk hatte die Villa im Internet entdeckt, die zum Verkauf angeboten wurde. Die Villa, die im Internet abgebildet war, hatte aber in keinster Weise Ähnlichkeit mit der Behausung vor der wir nun standen.

Das Ding sah aus, als wäre es schon 100 Jahre in Vergessenheit geraten. Wir waren im wahrsten Sinne des Wortes platt.

Trotzdem hat uns – im Nachhinein haben es auch die größten Spötter (wie unser Paul) zugegeben – die Villa sofort in ihren Bann gezogen. Vielleicht war es das Verlorene, das Alte, das Vergessene was von der Villa ausging. Wir wollten es auf keinen Fall sein. Diese Villa sollte es auch nicht sein.

Unser Architekt Holger war zunächst auf fachmännischer Ebene mehr von dem Grundstück als von der Villa selber begeistert. Er schlug vor, alles abzureißen und einen ganz modernen Komplex zu errichten. Er machte wirklich akzeptale Vorschläge. Wenn wir jedoch zur Grundstücksbesichtigung gingen, uns die alte vergessene Villa anstarrte, wurde der moderne Komplex wieder zur Seite gedrängt.

Paul, der hier weniger Gefühl investierte, sagte mal, das Haus hat euch verhext. Das würde nichts Gutes bedeuten.

Als Holger merkte, dass er mit seiner modernen Bauweise bei uns nicht so recht weiterkam, erstellte er den Plan der Pläne. Er hatte seine Zeichnung noch nicht ganz ausgerollt, da hagelte es schon Lobeshymnen. Alles hatte er bedacht.

Im unteren Bereich hatte jedes Paar einen großzügig angelegten Wohnraum, ein Schlafzimmer sowie ein Badezimmer. Es führte eine große Treppe (mit Treppenlift) in die obere Etage. Hier gab es noch einmal zwei Räume und ein Badezimmer. Mir gefielen ganz besonders die großen Fensterbögen. Klar sagte mein Mann, die reißen auch das größte Loch in unseren Finanzierungsrahmen (wir haben unser Reihenhaus verkauft, um uns an dem Projekt beteiligen zu können).

Alle unter einen Hut zu bekommen ist nicht einfach. Jeder wollte bei diesem Bauvorhaben seine jahrelangen Erfahrungen einbringen. Es gab manch heiße Diskussion. Gerade in dieser Phase zeigte sich mehr als deutlich, dass wir schon alle etwas älter waren und ein ganzes Stück unbekümmerter Jugend durch schlechte Erfahrungen ersetzt wurde.

Zeitweise drohte das ganze Projekt daran zu scheitern. Jedoch es war einPunkt erreicht, wo es kein Zurück mehr gab, ohne etwas aufzugeben, was einem mittlerweile wichtig war.

Holger war nicht nur ein hervorragender Bauleiter, sondern bewies auch geschickte Verhandlungsfähigkeit beim Kauf der Villa. Da die Villa nicht unmittelbar am Strand liegt, konnte er einen akzeptablen Preis erzielen. Glücklicherweise kam hinzu, dass der damalige Besitzer die Villa geerbt hatte, im Ausland lebt, sie schon 1 Jahr erfolglos im Internet angeboten hatte jedoch dringend Geld brauchte.

Holger und Maren besaßen zum damaligen Zeitpunkt eine Penthauswohnung in Berlin, die sie kurzfristig sehr gut verkaufen konnten. Der Erlös dieser Wohnung reichte, um die Villa und das Grundstück kaufen zu können.

Hugo hat gesagt, Hugo meint, Hugo glaubt, Hugo, Hugo, Hugo. Wenn heute einer einen Satz mit „Hugo hat gesagt“ anfängt oder eine Aussage beendet mit den Worten: „Das meint Hugo auch“, bricht die ganze Gesellschaft in schallendes Gelächter aus. Damals hat uns genau dieser Hugo an den Rand des Wahnsinns gebracht.

Dirk hat einen Schwager der Hugo heißt und als Polier auf einer Großbaustelle in Hamburg gearbeitet hat. Wir haben Hugo nie gesehen, aber immer wenn es darum ging, irgendeine bauliche Veränderung vorzunehmen, wurde von Dirk dieser Hugo zitiert.

Wenn unser Bauleiter und zukünftige Mitbewohner Holger uns seine Vorstellungen darlegte, hatte dieser uns völlig unbekannte Hugo lt. Dirk eine bessere Idee. Mittlerweile hasste jeder diesen Hugo. Wir Frauen machten ihn dafür verantwortlich, dass sich Dirk und Holger immer wieder derbe in die Haare kriegten.

Sehr viel später auf einem unserer Sommerfeste, lernten wir Hugo endlich persönlich kennen. Einen kleinen, pummeligen sehr sympatischen Polier mit einem schelmischen Lachen, der einen Witz nach dem anderen erzählen konnte und von allen gemocht wurde (auch von Holger).

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