Die Schwiegertochter

23.02.2017

Wie jedes Jahr hatten wir uns auch diesmal wieder heiße Wortgefechte bezüglich unseres jährlichen Sommerfestes geliefert. Timo, der Sohn von Paul und Gudrun, sagte nur so „nebenbei“: „Wieso, Maxi will doch dieses Jahr heiraten, das könnte man doch prima verbinden.“

Ich war platt. Unser Sohn Maximilian wollte dieses Jahr heiraten und ich, seine Mutter, der er als erstes davon erzählen wollte (falls eine nach „die Beste“ kommen sollte) wusste noch nichts davon. Überhaupt wen? Er hatte uns bisher niemanden vorgestellt, geschweige ein Wort über eine evtl. Braut verlauten lassen. Wortlos stand ich auf verließ den Innenhof und ging in unsere Wohnung. Maxi kam natürlich sofort hinterher. Mit kläglichen Erklärungsversuchen wollte er mich beschwichtigen: „Mama, ich wusste es ja selber nicht so genau.“

„Du wusstest es selber nicht so genau? Hat dich heute morgen irgendeine angerufen und dich gefragt, ob du mal Lust hättest zu heiraten oder wie kann ich das verstehen?“ „Nee Mama, also ich habe sie heute Morgen angerufen und gefragt.“

Ich glaubte es nicht: „Lass bitte deine Scherze, du willst mir doch wohl nicht erzählen, dass du erst seit heute morgen weisst, dass du heiraten willst und wen überhaupt?“ „Sie heißt Alex und so lange kenne ich sie noch nicht.“ „Sie heißt Alex, ich gehe mal davon aus, dass es sich um eine weibliche Person handelt, du kennst sie noch nicht so lange, rufst sie an und machst ihr per Telefon einen Heiratsantrag und sie hat ja gesagt, bist du irre??“

Und ganz nebenbei „wie romantisch!!!“

„Jaaaa Mama, aber seit heute morgen weiß ich, das es die Richtige ist, und da habe ich sie eben ganz spontan angerufen und direkt gefragt. Als ich mit Alex telefonierte, war Timo zufällig im Garten und muss wohl etwas von dem Gespräch aufgeschnappt haben: er sagte nämlich: „Alter so wie ich das mitbekommen habe, kannste es wohl auch nicht mehr abwarten in Ketten gelegt zu werden oder?“ „Ach !!! haste deine Meinung daraufhin geändert?“

„Ich sag dir Mama, ich bin schwer verliebt und sie ist die Richtige, glaub es mir.“ Mein Sohn strahlte mich an.

Ich war verletzt, eifersüchtig und gleichzeitig fassungslos, mit was für einer Selbstverständlichkeit mein Sohn mal eben die Richtig gefunden hatte. Er sprang auf, riss mich aus dem Sessel und tanzte mit mir durch das Wohnzimmer und rief immer: „Sie wird dir gefallen Mama, sie wird dir gefallen und du wirst immer meine Nummer Eins bleiben.“

Dieser Schleimer, er hatte wieder alles so geregelt, dass ich mich ohne jeglichen Groll auf meine zukünftige Schwiegertochter Alex freuen konnte. Als sie endlich eintraf, war ich mehr als überrascht. Ein zartes Persönchen, die neben meinem 2Meter-Sohn noch zerbrechlicher wirkte, mit kurzen dunklen Haaren und großen braunen Augen. Wenn jetzt aber einer glaubte, ach die Kleine packen wir auch noch irgendwo hin, täuschte man sich. Sie wusste genau, was sie wollte.

Es war schön mit anzusehen, wie verliebt die beiden miteinander umgingen. Als ich meinen Mann darauf ansprach, war sein Kommentar: „Waren wir doch auch mal Spatzel.“ „WAREN wir doch auch mal Spatzel“, äffte ich ihn nach: „Toll und jetzt?“ „Was und jetzt“, er lugte über seine Zeitung und grinste mich an: „Soll ich dich etwa jetzt auch noch so anschmachten? Brauchste nur zu sagen, dann mache ich das, ha,ha, ha, die anderen werden sich biegen vor Lachen.“ Ich wollte die Diskussion nicht vertiefen, boxte leicht gegen seine Zeitung und sagt nur: „Lies schön weiter mein Dickerchen“ und verließ eilig das Zimmer, bevor er noch irgendeine freche Bemerkung über mein Übergewicht machte, die ich nicht so leicht würde wegstecken können wie er.

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