Die Jungen helfen den Alten?

21.01.2018

 

Es gab so viele miesmachende Argumente von „lieben“ Freunden und Anverwandten zu unserer Wohnform, die jedoch heute etwas kleinlaut zugeben, dass sie selber gerne dem Verein angehören würden. Der Spruch: „Boo wie dekadent ist das denn „eine eigene Haushälterin!!!“ . Auch mit einer kleinen, überschaubaren Rente dürfte das mit 8 Personen zu finanzieren sein. Unser geliebter Hausdrachen Änne gehört einfach dazu.

Wenn man sich die Arbeit in einer WG teilt, bräuchte man keine Haushälterin, ist unserer Meinung nach eine große Fehleinschätzung. „Ich mache lieber alles selber, bevor der mir die Küche zusaut“. Kommt euch das bekannt vor. Hinter diesem Satz können sich oftmals viele Männer mit Fernbedienung und Decke auf dem Sofa verkrümmeln. Bei uns und bei Gudrun und Paul war es zumindest vor WG-Gründung so. Heute hat sich das in unserer eigenen Wohneinheit zwar nicht geändert, jedoch mein Mann verschwindet jetzt oftmals ins Haupthaus: „Mal sehen. ob Paul, Dirk oder Holger da sind“. Mit einem von denen will er immer noch kurz was bereden. Sehr witzig!!! In der Beziehung besitzen Gudrun und ich heute eine amüsante Gelassenheit.

Mit dem eigenen Partner klappt oftmals die klare Arbeitseinteilung schon nicht, da sollte man nicht naiv davon ausgehen, dass das in einer WG super klappt.

Meistens genießen wir auch gemeinsam das, was unsere Änne gekocht hat. Wie schon mal beschrieben, stellt Änne einen Essenplan für die ganze Woche zusammen. Damit sie planen kann, da manchmal auch Angehörige oder Freunde dazu kommen, müssen wir uns rechtzeitig anmelden. Es gibt Essensmarken, der Preis der Essensmarken wird jedes Jahr (gemeinsam mit unseren Kindern) neu festgesetzt. Änne hat weitgehendst freie Hand. Die Kontrollfunktion haben unsere Kinder, der Sohn von Dirk und Susanne, die Tochter von Gudrun und Paul sowie unser Sohn Max.

„Mein Gott, was für eine Kontrollfunktion und dann auch noch Essensmarken, das geht ja gar nicht. Also für mich käme so etwas nicht in Frage und dann auch nur alte Leute. Besser ist es, wenn jung und alt zusammen wohnen, dann kann man sich auch mal gegenseitig helfen.“

Zu den Essensmarken. Der Vorschlag kam übrigens von Paul. Paul und seine Frau Gudrun haben zwei Kinder und sechs Enkel, die alle Oma und Opa gerne besuchen. Da wäre es etwas schräg, wenn die alle mit ihrem gesunden Appetit regelmäßig in der Gemeinschaftsküche einliefen und die anderen WG-Mitglieder die Zeche bezahlen müßten. Das hat schon damals und auch heute noch in den Studenten-WGs für so manchen handfesten Ärger gesorgt

„Nur alte Leute“. Ja klar sind wir alt. Wir freuen uns immer, wenn Kinder oder Enkel uns besuchen, aber sind auch oft froh, wenn wir wieder unsere Ruhe haben.

„Wenn jung und alt zusammen wohnen, kann man sich gegenseitig helfen.“ Oft, sehr oft ist das auch richtig. Wieviele Kinder wohnen mit ihren Eltern in einem Haus. Mama und Papa unten und eine Etage höher Tochter oder Schwiegertochter. Ich stellte hier bewußt die Tochter oder Schwiegertochter an erster Stelle, da die dann meistens das evtl. anstehende Pflegeprogramm übernimmt. Sicherlich haben die alten Herrschaften immer auf die Enkel aufgepasst. Da ist es für viele auch eine verpflichtende Selbstverständlichkeit sich um die Eltern zu kümmern. Tochter hat dann evtl. Geschwister die sich nicht mehr blicken lassen,  pubertierende Kinder, einen Halbtagsjob, einen Haushalt, einen Mann, der evtl. etwas Hilfe leistet, und die pflegebedürftigen Eltern. Diese Tochter, will ihren Kindern auf alle Fälle so ein Leben ersparen und sieht das gegenseitige Hilfsaufkommen zwischen jung und alt sicherlich etwas realer. Sie geht bestimmt nicht davon aus, dass in einer zusammengewürfelten WG mit alt und jung, die Jungen später die Alten pflegen. Zumal sie genau weiß, was es heißt einen kleinen Kinderpopo zu säubern oder den eines alten Mannes, der für sie vielleicht sogar über Jahre eine autoritäre Respektsperson war. Es ist vielleicht so, das sich eine Nähe zu der zu pflegenden Mutter oder Vater entwickelt, die vorher nie so da war, jedoch wird das evtl. über Jahre dauernde Pflegeprogramm schon auf eine harte Probe gestellt.

Jung und alt helfen sich gegenseitig sollte man also auch nicht so blauäugig sehen. Wir haben auch hier klare Vorgaben erarbeitet, die keinen belasten sollten.

Na ja, ist heute alles nicht besonders witzig. Dass man zunächst mal ganz einfach den eigenen Alltagsstress analysieren sollte, den die anderen bekanntlich auch haben, ist für eine evtl. WG nur förderlich, da man daraus die besten Schlüsse ziehen kann liebe Freunde.

Bleibt gesund und herzlichst Eure fidele Alten-WG

 

 

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