Die Dorschtage in Laboe

07.02.2017

Laboe ist zwar nur ein kleiner Ort mit ca. 5500 Einwohnern. Jedoch gibt es Tage, da hat man das Gefühl, in Laboe trifft sich ganz Norddeutschland. Zum Beispiel an den Laboer Dorschtagen. Die Laboer Dorschtage ist die größte Angelveranstaltung Norddeutschlands. Über 350 Angler stellen auf mehreren Kuttern den Dorschen nach, um sich den Titel „Dorsch-König oder Königin zu erangeln.

Regelmäßig sind an diesen Tagen alle unsere Zimmer in den oberen Stockwerken mit unseren Kindern und Enkelkindern besetzt. Es handelt sich hier zwar immer nur um ein verlängertes Wochenende (Donnerstag bis Sonntag) jedoch hat sich dieses Ereignis bisher immer zu einem Großfamilientag entwickelt. Großfamilie heißt – es kommen wirklich alle – alle Kinder und Enkelkinder. Es ist erstaunlich, dass sich diese Dorschtage zu einer festen Verpflichtung entwickelt haben und ausnahmslos alle an diesen Tagen in Laboe sind. Hinzu kommt, dass es diesbezüglich schon sehr viele heitere Anekdoten gegeben hat. Wie zum Beispiel Jörn, der Sohn von Susanne und Dirk, in einer für ihn wichtigen Sitzung in seinen Terminkalender schaute und ganz selbstverständlich sagt: „Also, da kann ich nicht, da sind die Dorschtage in Laboe.“

Nachdem er aufschaute und dann in eine Reihe von ungläubigen Gesichtern blickte, war er natürlich eine Erklärung schuldig. Gleichzeitig fiel ihm aber auch auf, wie selbstverständlich und verbindlich dieser Termin mittlerweile für ihn geworden war.

Klar, dass sich unsere Enkelkinder ganz besonders auf dieses Spektakel freuen. Es gibt einen kleinen überschaubaren Jahrmarkt mit einem Hüpfkarussell. In diesem Karussell sitzt man an langen Leinen wie in einem Fallschirmsitz. Unter den Füßen befindet sich ein großes Trampolin. Anfangs war es schon beängstigend mit anzusehen, wie sie sich mit jauchzender Begeisterung immer wieder nach oben hin katapultierten um sich die Dorschtage, ihre Eltern und Großeltern von da oben anzusehen.

Unsere ansonsten nicht so ängstliche Gudrun versicherte sich bei dem Karussellbetreiber, dass es auf keinen Fall gefährlich sei. Dennoch schaute sie etwas unbehaglich dem Szenario zu.

„Mein Gott, die Zwillinge können aber auch nie genug bekommen“, stellte sie immer wieder besorgt fest. Am nächsten Tag steuerten die beiden Jungs unaufhaltsam wieder auf dieses Karussell zu. Nachdem der Karussellbetreiber die Zwillinge angeschnallt hatte, prüfte Gudrun noch mal alles und teilte den Jungens mit: „Also, wenn euch schlecht wird, kommt ihr sofort herunter, verstanden.“ Jaaa, jaaa Omi, uns wird nicht schlecht.“

Ich hatte mittlerweile noch einen freien Tisch ergattert und schaute dem Treiben zu.  Als Gudrun sich zu mir setzte schaute sie mich verheißungsvoll an und sagte: „Mal sehen wie lange die beiden sich heute in die Luft jagen.“

Als der Karussellfahrer in die 4. Runde läutete und die Zwillinge immer noch nicht die Nase voll hatten, schaute sie mich ungläubig an und sagte: „Nicht zu fassen, die beiden haben vorher jeder eine Pommes, einen Hamburger, ein Eis, eine Zuckerwatte, eine Waffel und eine Cola verputzt meinste, denen ist schlecht?“

Leider ist die Strategie von Gudrun nicht aufgegangen. Was dabei herauskam war, dass die Zwillinge dreimal soviel durch die Luft fliegen durften wie sonst (Gudrun hatte es ihnen vorher versprochen). Der einzigen, der nur vom Zuschauen schlecht wurde, war Gudrun. Als Trost war sie auf dem ganzen Heimweg die beste und coolste Omi der Welt, bei der sie sogar Cola trinken durften. Gudrun lächelte nur gequält. Als ich ihr noch grinsend zuflüsterte:

„Mensch Gudrun, deine Enkelkinder haben aber einen gesunden Magen,“ zischte sie nur: „Halt bloß die Klappe.“

 

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