Der Schrank ist voll, trotzdem müssen neue Klamotten her

15.03.2017

Acht von zehn Frauen zeigen diese Krankheitssymptome (Aussage meines Mannes).

Da sind wir Frauen unserer Wohngemeinschaft nicht anders. Ab und zu muss das sein und wenn es nur ein T-Shirt ist. Nur unsere Maren ist da etwas differenzierter. Wenn wir in Laboe den kleinen Markt besucht haben, landen wir anschließend regelmäßig bei Jens. Er betreibt eine kleine geschmackvolle Boutique und diese liegt zufällig immer auf unserem Weg.

Sobald wir den Laden betreten, stürzt Jens auf uns zu und wir werden auf das herzlichste begrüßt mit den Worten: ich wußte, dass ihr noch mal kurz bei mir hereinschaut. Wollt ihr einen Kaffee oder ein Glas Sekt? Und schon geht das Gequatsche los (lt. Maren). Er ist ein sehr quirliger Typ und erzählt und erzählt, von seinen Motorradtouren, seinen Reisen, was er gerade gelesen hat, was gestern im Fernsehen war, was seine Freundin von was auch immer hält. Ob du es hören willst oder nicht. Jens sabbelt und sabbelt.

Wir schauen uns um oder probieren irgendwas an. So einen Verkäufer wie Jens habe ich noch nie getroffen. Gudrun hält z.B. eine Bluse hoch die ihr gefällt und fragt mich was ich davon halte. Wenn ich dann sage: super probier doch mal an, kann es durchaus passieren, dass Jens dazwischen funkt: Nee, also nee nee das lass mal, nächste Woche bekomme ich Blusen, die sind genau dein Ding. Jens könnte zwar locker unser Sohn sein, jedoch hat es sich vor einigen Jahren ergeben, dass wir nach einigen Gläsern Sekt zum allgemeinen „Du“ übergegangen sind.

Maren meinte damals zwar, er sei der perfekte Verkäufer. Macht die Kunden erst besoffen. Quatscht sie voll mit seinen Motorradtouren und sonstigen teilweise persönlichen Dingen. So würde er eine emotionale Schiene fahren und ganz nebenbei seinen Kram verkaufen. Maren hat früher als Geschäftsführerin in einem renommierten Modehaus in Berlin gearbeitet. Teilweise amüsiert sie sich, manchmal geht ihr aber auch das Gequatsche von Jens auf die Nerven. Uns, das heißt Susanne, Gudrun und mir gefällt es. Bisher fühlten wir uns auch immer gut beraten von Jens. Maren hat zwar auch ein Auge für einen guten Kleidungsstil jedoch geht Jens etwas lockerer damit um. Maren würde z.B. nie sagen: zieh das aus, wen willste denn damit erschrecken.

Irgendwas finden wir immer und wenn es nur das 30igste Tuch für 12 Euro ist. Unsere Männer sind da viel, viel einfacher gestrickt. Wenn ich meinen Mann dazu überreden will, sich ein paar neue Kleidungsstücke zu kaufen kommt nur: „Wieso unnütz Geld ausgeben, ist doch noch nichts kaputt.“ Da fällt mir dann nichts mehr ein. Wenn ich dann irgendwas für ihn kaufe, was mir gefällt, kommt dann: „schön, schön, lieb von Dir, aber muss das sein?“

Gudrun meint, ihr Paul würde immer das anziehen was da gerade liegt, ob das zusammen passt oder nicht. Letztens habe sie ihm noch gesagt, er solle endlich mal den grünen Pullover ausziehen oder ob er warten würde bis man den aboperieren könne. Da habe Paul ihr gesagt, Änne (unsere Haushälterin) meint, grün würde ihm besonders gut stehen. Daraufhin hat Gudrun ihm einen zweiten grünen Pullover aus der Jens-Boutique mitgebracht. Das passende Tuch dazu war ihm zu affig. Das hat jetzt Änne.

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