Der Club der toten Dichter

10.02.2017

Vor Jahren während eines Laboe-Urlaubs, unser Projekt befand sich noch in der Anfangsphase und wir malten uns in den schönsten Farben unser späteres Zusammenleben aus, sagte Maren: „Was wir unbedingt einführen sollten, und was eine echte Bereicherung für uns alle sein könnte, sind Literaturabende. Wir könnten uns zum Beispiel gegenseitig Gedichte vorlesen.“ Paul hatte gerade sein Bierglas angesetzt, konnte es noch gerade auf den Tisch zurücksetzen bevor er das, was er noch im Mund hatte, in Gudruns Richtung prustete, die, wenn sie sich nicht schnell zur Seite gedreht hätte, alles abbekommen hätte.

Paul entschuldigte sich bei Gudrun und konnte sich nicht wieder einkriegen vor Lachen. Mit hochrotem Kopf sagte er, dass er der erste sein wollte, der die Gedichte vorliest. „Mann,oh Mann“ lachte er weiter, „wenn ich daran denke, was meine Versicherungskollegen sagen, wenn ich denen erzähle, in ein paar Jahren verlege ich meinen Wohnsitz nach Laboe und werde Gedichte vorlesen. Ich lach mich tot, ha ha, ha.“

Ich wusste, dass mein Mann ähnlich dachte und schaute ihn kritisch von der Seite an. Er zog die Augenbrauen hoch und grinste mich an.

Maren blieb völlig unbeeindruckt. Sie merkte, dass wir Frauen einschließlich Dirk gar nicht so abgeneigt waren und erzählte weiter: „Kennt ihr den Film „Der Club der toten Dichter?“ Nach dieser Frage rastete unser Paul völlig aus. Er bekam einen regelrechten Lachanfall, konnte sich kaum beruhigen und kippte fast mit seinem Stuhl um. Die Gesamtsituation war so komisch, dass wir anderen einschließlich Maren uns durch dieses Lachen so anstecken ließen, dass die ganze Gesellschaft in ein schallendes Gelächter ausbrach. Als wir uns endlich beruhigt hatten erzählte Maren weiter, die Institution Schule sei in den letzten Jahrzehnten häufig in Kino- und Fernsehfilmen thematisiert worden, jedoch kaum ein Film erwecke dermaßen öffentliches Interesse wie der „Club der toten Dichter.“ In dem Film spielt der brillante Schauspieler Robin Williams die Rolle des Lehrers John Keating.

„Keating ermutigt seine Schüler zum selbständigen Denken „Carpe diem!“ Nutze den Tag! Macht etwas außergewöhnliches aus Eurem Leben!“ Dieser Keating war zu seiner Schulzeit Mitglied im „Club der toten Dichter“, einem Geheimbund, dessen Mitglieder sich in nächtlichen Sitzungen in einer Höhle fremde oder selbst geschriebene Gedichte vorlasen. Seine Schüler rufen diesen Club erneut ins Leben und treffen sich auch in dieser besagten Höhle um Gedichte zu zitieren.“

Das war natürlich wieder das Stichwort für unseren Paul. „Weißt du denn, wo die Höhle ist liebste Maren, ich hätte schon ein Gedicht.“ Im feinsten Platt trug unser Paul vor:

„Dat Pöggsken (kleiner Frosch)“

Pöggsken sit in’n Sunnenschien;

huh, wat is dat Pöggsken fien

met de groumlne Bücks.

Pöggsken denkt an nix.

Kümp de witt Gausemann (Gans)

hät so raude Stieweln an,

mäck en raut Gesnater.

Hu, wat fix springt dat Pöggsken mit de Bücks,

mit de schöne gröne Bücks,

mit de Bücks in’t Water!“

Damit hatte er wieder die Lacher auf seiner Seite.

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