Haus am Meer, Freunde mit denen man sich gut versteht, Kinder und Enkelkinder die uns oft besuchen, da ein Besuch immer ein Kurzurlaub am Meer bedeutet. Hört sich alles super an. Es war aber auch ein langer Weg dahin. Oftmals stand das Projekt kurz vor dem scheitern.

Wie Sie mir beipflichten werden liebe Leser ist eins immer wieder das Wichtigste „Die Gesundheit“. Paul hatte einen Herzinfarkt und seine Frau Gudrun wollte damals alles hinschmeißen und lieber in Düsseldorf bleiben. Ihre Tochter Beate hatte sich getrennt und stand nun mit zwei kleinen Kindern da und erwartete Hilfe und Einsatz von ihren Eltern. Gudrun selber erfreute sich auch nicht gerade bester Gesundheit.

Paul hat sich erstaunlich schnell wieder erholt. Heute zieht er uns immer damit auf. Er habe wohl so eine Panik gehabt nicht mehr dazu zu gehören, dass für ihn nur infrage kam, noch einen Infarkt und dann ab in die Kiste oder ein entspanntes Leben mit seinen Freunden ohne den Stress zuhause. Seine Frau Gudrun schaut ihn dann zwar etwas befremdlich an – aber sie kennt ihn ja und wie schon erwähnt, die beiden schenken sich nichts.

Aber wer kennt das nicht. Es werden Pläne gemacht und der Alltagstrott läßt einen immer wieder alles aufschieben.

Paul hat heute „nur“ mit seiner Gicht zu kämpfen. Übermäßiger Fleischkonsum ist da nicht gerade förderlich. Da er in der Beziehung nicht unbedingt zu den Einsichtigsten zählt und sich auch von seinem Freund Wolfgang nichts sagen läßt, wirft er sich eine Pille ein (seine Worte) und läßt es sich schmecken. Nur wenn die Gelenke anschwellen und er da mit seinen Eismanschetten sitzt, die Änne immer für ihn im Eisfach deponiert hat, kommen die guten Vorsätze, die dann aber immer wieder über den Haufen geworfen werden, sobald Fleisch angeboten wird.

Unsere Bedenken, dass Tabletten auch keine Lösung versprechen, kommentiert er immer: Meine Mutter ist 97 geworden, die hat ihr Leben lang jede Woche eine Lore Tabletten bei ihrem Hausarzt abgeholt, alle geschluckt und war bis zum Schluss gesund an Körper und Geist. Gudrun meint: “ seine Schmerzen und seine Entscheidung.“

Susanne und Dirk fanden so eine Wohngemeinschaft mit eigenen Wohnbereich und Personal prima, jedoch wollten sie uns anfangs immer überreden, das Projekt in der Toskana zu starten.

Heute sind wir froh, dass wir uns für Laboe entschieden haben. Erstens spricht keiner von uns italienisch und für unsere Kinder und Freunde ist es nicht so weit, falls sie uns besuchen wollen.

Hier haben wir fast alles. Im Frühjahr das frische Grün der Blumen sowie das wechselnde Blau und Grün des Meeres im Mai die gelbblühenden Rapsfelder in und um Laboe. Im Juni den Touristen-Trubel und die Kieler Woche, im Winter unsere langen Spaziergänge bei Eis und Schnee.

Mit übermäßige Sonneneinwirkung ist in Laboe leider nicht zu rechnen, deswegen verbringen Susanne und Dirk einige Winterwochen in Spanien. Susanne hat seit einigen Jahren rheumatische Beschwerden. Da bietet sich für die raue Jahreszeit in Laboe natürlich als Alternative das milde Mittelmeerklima an. Lange halten sie es aber meistens da nicht aus. Sie vermissen uns. Ihr Zuhause sind wir, die unüberlegten kleinen Frechheiten von Paul, die schnodderigen lieb gemeinten Kommentare von Gudrun und mir, die fürsorgliche Art von Maren und Änne, die regen Diskussionspartner Wolfgang und Holger, ihre und unsere verwöhnten Kinder einschließlich verzogener Enkelkinder (wenn sie uns besuchen) sowie Laboe mit seinen liebgewordenen vertrauten Ecken.

Vor Jahren hatte ich einmal ein Interview verfolgt, in dem eine ältere Dame (übrigens die Mutter von Herrn Burda) gefragt wurde, was sie am liebsten hätte. Sie überlegte kurz und sagte dann: „Die Berührung meiner Haut“. Eine ungewöhnliche Antwort und doch sagt sie viel aus.

Ich würde mal behaupten, dass das „nicht berühren“ oftmals nicht nur von älteren Menschen vermißt wird. In den Arm genommen, sanft gestreichelt oder auch gekrault werden, lassen wir unseren Haustieren zukommen. Sie genießen es und wir erfreuen uns daran. Und was ist mit uns?

Gudrun hat dazu ihren Lieblingsspruch: „Scheiß auf wilden Sex, Wohlfühlmassage belebt die Sinne“

Wenn allerdings nur der Hund vom Partner zärtlich gestreichelt wird und man selber nicht, kann man das schon mal beanstanden und auf Änderung hoffen. Wenn jedoch kein Partner da ist oder der da nicht so empfänglich ist.

Wie wäre es da mit einer Wohlfühlmassage. Fangen wir mit den Füßen an. Es gibt schon eine Fuß-Reflexzonen-Massage 30 Minuten für 20 Euro. Maren ist als erste auf die Idee gekommen, uns so etwas zum Geburtstag zu schenken. Es war und ist ein voller Erfolg.

Ihr Mann Holger, der immer über Rückenschmerzen klagte hat sich in Kiel in einigen Massagepraxen durchkneten lassen, bis Michael ihn in seine Finger bekam, der ihm eine 1 1/2stündige Tai-Massage verpasste. Holger war begeistert. Alle sollten das natürlich sofort ausprobieren. Michael wollte in den nächsten Tagen vorbeikommen um die ersten Interessenten zu massieren.

Paul und Wolfgang hatten nur mitbekommen, das Maren, Susanne und Dirk in der nächsten Woche eine Tai-Massage bekommen sollten, aber nicht von wem. Die beiden waren sofort begeistert und maulten schon rum, als sie erfuhren, dass sie erst eine Woche später in den Genuss einer Tai-Massage kommen sollten. Als sie dann hörten, dass es sich um einen männlichen Masseur handelt (was auch immer die beiden sich vorgestellt haben) zudem so eine Massage nicht gerade preiswert ist, hatten sie auf einmal keine Beschwerden mehr.

Als Michael einige Tage später mit seinem offenen Sportwagen vorfuhr und nicht nur der Sportwagen verdammt gut aussah, guckten Wolfgang und Paul nur etwas reserviert.

Maren, Dirk und Susanne fühlten sich nach der Massage wie neu geboren. An diesem Abend trafen wir uns alle im Kaminzimmer. Die drei berichteten ganz euphorisch von ihren Eindrücken. Michael würde es verstehen mit dieser Tai-Massage alle Sinne zu sensibilisieren. Paul brachte nur wieder platt an: „So wie der aussieht und eure Sinne weckt, kann der Spinner nur schwul sein.“ Die Antwort seiner Frau Gudrun ließ nicht lange auf sich warten:“Paul, auch wenn es so wäre, du bist garantiert nicht in Gefahr, bei dir würde er sich nur auf seine Arbeit konzentrieren.“

Na, das tut unserem Paul auch weh. Es ist auf alle Fälle immer noch zu erkennen, dass Paul in jungen Jahren mal recht gut ausgesehen hat. Von seinen lockigen Haaren sind zwar nicht mehr allzu viele da, seinem ehemals schmalen Gesicht kann man jetzt die Vorliebe für gutes Essen und Trinken ansehen. Jedoch hat er mit Abstand die besten Männer-Radsport-Beine die es gibt. Es ist bisher kein Sommer vergangen, wo wir von ihm nicht darauf aufmerksam gemacht wurden. Widersprüche hat es hierzu noch nie gegeben.

Inzwischen sind Paul und Masseur Michael gute Freunde geworden. Michael hat sämtliche Versicherungen auf die Agentur von Pauls Sohn Timo umgestellt. Unser Paul findet das jetzt ganz in Ordnung, wenn Michael ihm regelmäßig eine Akupressurmassage verpasst (ist auch wesentlich günstiger).

Mein Mann Wolfgang dazu:“Da kannste mal sehen wie schnell der Kerl sich kaufen lässt, brauchst nur eine Versicherung bei ihm abschließen.“

Unsere beiden ollen Kautze Paul und Wolfgang haben sich gesucht und gefunden. Sie gehen zum Hochseeangeln, zum Eishockespiel usw.. Die Krönung allerdings ist ihre Vorliebe für eine bestimmte Kneipe in Laboe. Wenn unser Landarzt und sein Versicherungsvertreter hier die Musikbox anschmeißen, werden nur die alten Scheiben der 60iger Jahre wie Buddy Holly, Bill Haly, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis gespielt. Offensichtlich können diese Abende den beiden keine noch so gute Tai-Massage ersetzen. Da sind sie sich einig, sie behaupten, bei ihnen würden alle Sinne (allerdings immer leicht alkoholisiert) durch solche Abende sensibilisiert.

 

Liebe Leserinnen. Für euch sicherlich ok, dass ich nicht immer unseren Tagesablauf in der WG beschreibe. Das Leben hat so viele schöne spannende leider teilweise auch traurige Geschichten, die sich natürlich nicht alle in unserer WG abspielen,

Ilse, die Mutter von unserer WG-Mitbewohnerin Susanne war jahrelang mit ihrem zweiten Lebenspartner Heinz verheiratet. Also nicht der Vater von Susanne. Heinz hatte Lungenkrebs. Susanne hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Stiefvater und hat genau wie ihre Mutter diese Nachricht umgehauen. Susanne und Dirk haben sofort für Heinz und ihre Mutter eine Hilfskraft besorgt, waren aber trotzdem ständig in Hamburg, um dem schwerkranken Heinz und  ihrer Mutter beizustehen.

Vor zwei Jahren ist Heinz gestorben. Susanne rief uns damals an und sagte, dass ihre Mutter verständlicher weise völlig fertig sei. Was sie, Susanne aber völlig fertig machen würde, wäre die Tatsache,  dass sich ihre Mutter geweigert hätte, dass das Beerdigungsinstitut die Leiche abholt. Heinz habe fast 3 Tage in der Wohnung gelegen. Ihre Mutter könne sich nicht trennen.

Ilse hat nach der Beerdigung über 8 Wochen in der Psychiatrie verbracht. Alle haben geglaubt, dass sie so traumatisiert sei, dass sie nie wieder  eine lebensbejahende Einstellung finden wird.

Ilse hatte sich erholt und alte Kontakte mit fast vergessende Freundinnen wieder aufleben lassen.

Vor einigen Wochen hat sie uns in Laboe mit ihrer neuen Liebe besucht.

Ich habe gedacht, ich sehe nicht richtig. Der kleine dicke Heinz war zwar ganz lieb, unterhaltsam und nett aber der Neue – Mamamia – ein großer charmanter gepflegter Herr. Dem fehlte nur noch das Schloß, ansonsten war der Typ perfekt.

Ilse hatte sich verändert. Wir fanden sie einfach süß. Susanne, ihre Tochter, fand ihre Mutter Ilse befremdlich. Vor zwei Jahren hatte ihre Mutter mit dem Leben fast abgeschlossen und jetzt führt sie sich auf wie ein Teenager. Zudem habe ihre Mutter ihr anvertraut, dass sie noch nie so einen super Sex hatte. Wie peinlich sei das denn. Ihre Mutter sei 78. Den Neuen habe sie im Baumarkt kennen gelernt. Sie wollte eine Taschenlampe kaufen und sei dann mit ihm, Karl heißt er, ins Gespräch gekommen, da sie sich mit Taschenlampen nicht so gut auskennt. Das hätte vorher immer ihr Mann gemacht aber jetzt müßte sie sich um alles selber kümmern (eine Taschenlampe???so geht das also). Er sei Witwer mit zwei erwachsenen Töchtern und kannte sich offensichtlich mit Taschenlampen aus. Sie ist ja jetzt auch Witwe daher haben sie sich direkt zu einer Tasse Kaffee verabredet. Den Sommerurlaub haben sie schon ganz schnell zusammen geplant. Viel Zeit würde ihnen sowieso nicht bleiben, also sollten Entscheidungen schon mal zügiger fallen. Wieso   –  ist doch prima –  Wir fragten Susanne, ob sie es lieber sähe, wenn ihre Mutter bis an ihr Lebensende trauern würde. Nein !!! natürlich nicht – nur das mit dem Sex hätte sie besser für sich behalten sollen, ha, ha, ha unser Susanchen.

Liebe Mädels (die männliche Spezies unseres Planeten lesen -Gott sei Dank – selten oder gar nicht meine Geschichten).

Sagen Sie Ihrer besten Freundin einmal: Du bist eine ganz liebe, tust keinem was und bist eine ganz Hübsche. Sie ernten ein wohlwollendes Lächeln.

Aber der Spruch: „Du hast zwar keine Modelfigur, dafür eine freche Klappe und bist, ganz ehrlich? ein total verrücktes Huhn“. Sie ist begeistert und nickt zustimmend.

Verrückte oder Bekloppte sind also mehr angesagt? Neeee, das heißt nur übersetzt: Du bist nicht langweilig!!!

So eine Freundin braucht man unbedingt, die holt einen immer wieder runter und strahlt fast immer positive Lebensenergie aus.

So wie meine (junge) Freundin Hella. Hella ist eine sehr attraktive Frau Ende 50. Zur männlichen Spezies hatte sie immer eine sehr bodenständige Einstellung. Ich kann mich noch gut an eine Unterhaltung im größeren freundschaftlichen Rahmen erinnern. Hella (schon sehr angesäuselt): „Was, da hast du ein Problem mit, ist doch nur ein Schwanselhuber, ein Mann! Männer machen keine Probleme, die sind ein Problem. Reich heiraten und dann Witwe, dann haste das

beste aus deinem Leben gemacht, ha, ha, ha“ Sogar unseren etwas härter gesottenen männlichen Freunden blieb der Mund offen stehen. Angesichts solcher Eskapaden hält sich die Begeisterung unserer Männer allerdings noch heute in Grenzen.

Hella war fast 20 Jahre mit Armin verheiratet. Sie meint: „Armin ist jetzt nur noch „arm“in. Jetzt hat er mich nicht mehr.“ Humor ist ihr nicht fremd, obwohl man das damals auch als Galgenhumor bezeichnen konnte. Sie kam nicht darüber hinweg, dass ihr Armin sich in eine dicke, dralle, blonde, dumme, total unterbelichtete Schlampe (ihre Worte) verliebt hat. Als ich meinen Mann damals fragte, was er denn davon halten würde kam nur: „Vielleicht hatte Armin keine Lust mehr das Opfer ihres Schandmauls zu sein.“ Danach habe ich mich meinem Mann gegenüber etwas sanftmütiger verhalten. Na ja, hat nicht lange gedauert.

Hella ist jetzt also solo? Nein!!!

Sie (58) lebt schon einige Jahre mit dem Sohn (38) ihrer besten Freundin zusammen. Das war der Hammer. Die Freundschaft der beiden war zunächst vorbei. Die Beziehung zwischen Hella und ihrem jugendlichen Liebhaber Jonas auch. Hella hatte sich von ihm getrennt und wurde immer stiller. Ich hatte die Frau mit der großen Klappe noch nie so verletzlich gesehen. Es hat mich sehr berührt. Jonas ist ein Jahr im Ausland gewesen. Er ist irgendwie anders, reifer zurückgekommen und hat sich wieder um Hella bemüht. Sie sind jetzt wieder zusammen.

Jonas war ein Jahr in Indien und hat dort in einer deutsch-englischen Organisation Straßenkinder betreut. Hella hat ihre Praxispartnerschaft aufgegeben und arbeitet jetzt in Indien als Ärztin. Die beiden Freundinnen haben auch wieder zueinander gefunden. Einmal im Jahr fliegt sie mit ihrem Mann nach Indien und besucht ihren Sohn und Hella. Wenn Hella und Jonas in Deutschland sind, versäumen sie es nie uns in Laboe zu besuchen. Wir sind jedes Mal ganz gespannt auf ihre Geschichten.

 

 

Im Freundes- und Bekanntenkreis wird ausgiebig das Pflegeprogramm der Eltern diskutiert, für einen selbst jedoch stellt sich die Frage im Moment nicht, zudem hat man sich schon mit der Verdrängungstaktik angefreundet.

Ich behaupte immer wieder, dass wir Älteren eines haben: Gelassenheit.

In dem Zusammenhang fällt mir immer wieder eine Weihnachtsfeier (um die Jahreszeit vielleicht etwas daneben) unserer Enkelin im Kindergarten ein: Oma und Opa sind extra angereist. Die Eltern und Großeltern saßen auf kleinen Stühlen an kleinen Tischchen und hatten keinen übermäßigen Gesprächsbedarf. Alles war von den Kindergärtnerinnen liebevoll geschmückt worden. Auf der Fensterbank hatten sie Maria, Josef und das Jesuskind einschließlich kleiner Schäfchen, Esel und Ochsen aufgebaut. In dem zarten Alter von 3 bis 4 Jahren zeigte sich schon der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Die kleinen männlichen Sonnenscheine hatten Maria und Josef kurzerhand in StarWars-Krieger verwandelt. Das Jesuskind war irgend so ein Turtleskrieger, der von der dunklen Macht verhauen wurde.

Auf alle Fälle hatten die kriegerischen Handlungen auf der Fensterbank wenig mit einer besinnlichen Weihnachtsfeier zu tun.

Als die kleine Marie ihre Mutter fragte, wo denn das Jesuskind sei, das läge gar nicht mehr in der Krippe, kam von ihrem Opa:“Das Jesuskind kriegt gerade da hinter der Gardine die Hucke voll.“ Es war festzustellen, dass die Großeltern meistens nachsichtig lächelten während die Eltern das gar nicht mehr so lustig fanden.

Man sollte hier doch vielleicht erzieherisch eingreifen, um einer gewissen Gewaltbereitschaft der kleinen Bengel schon im Vorfeld entgegenzuwirken. Endlich hatten die Eltern und Großeltern ein Thema: Erziehung und Wertevermittlung. Wie viele bei dieser Thematik immer wieder zur Höchstform auflaufen, was jetzt richtig und was grundsätzlich falsch ist, überrascht mich immer wieder. Mit liebevoller Zuneigung und im rechten Glauben, alles richtig und gut gemacht zu haben, entwickelt sich die Nachkommenschaft nicht immer so, wie wir und die Gesellschaft es sich vorstellen.

Schlimm sind die Angeber-Arien der Kinder- und Enkelkinder. Ich kann mich noch gut an eine Nachbarin erinnern. Im Eil- und Trippelschritt schoß sie auf mich zu und dann ging es los:“Mein Sohn hat jetzt seinen Master gemacht. Meine Tochter ist gut verheiratet und mein Enkel ist ja so intelligent und wird demnächst Abitur machen. „Ist ja toll!“ Manchmal ging sie mir schon auf den Keks. Meistens dann, wenn es bei uns nicht so gut lief. Trotz der Angeberei hatte sie etwas liebes rührendes und war eben nur stolz auf ihre Kinder und Enkel.

Allerdings sah ich den Master nur zu den hohen Feiertagen seine Mutter besuchen. Die Tochter war mit intelligentem Enkel immer so um den ersten bei der Mutter. Später traf ich die Tochter zufällig, da teilte sie mir mit, dass sie das nicht schaffen würde mit Muttilein, die sei ja immer so fordernd. Muttilein sei jetzt im Altenheim, was natürlich für die ganze Familie eine finanzielle Belastung sei. Ich weiß noch wie sprachlos ich war (das heißt schon was bei mir). Die arrogante Pute war den ganzen Tag zu Hause und hatte genug Platz. Sie hat es noch nicht einmal versucht, ihre Mutter mit entsprechender Hilfe (die sich diese Familie durchaus hätte leisten können) in ihrer Umgebung versorgt zu wissen. Was hat die alte Dame falsch gemacht? So weit ich weiß gar nichts. Ihre Blagen haben eben einen Sch…charakter, und den kann man nicht anerziehen. Vielleicht bin ich hier auch auf dem therapeutischen Holzweg, aber das ist meine Meinung.

Loriot soll gesagt haben: Altern ist eine Zumutung. Kann man so stehen lassen. Jedoch sind wir Untersuchungen zufolge zwischen 58 und 77 Jahren am glücklichsten.

 

Das Interesse    „später im Alter“   eine Wohngemeinschaft zu gründen ist offensichtlich sehr groß. Bei uns war es nun mal so, dass wir uns über Jahre immer wieder in unserem gemeinsamen Urlaubsort Laboe getroffen haben. Unsere ursprünglichen Wohnorte waren Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Münster. Also sahen wir uns hauptsächlich nur im Urlaub.

Warum erst im Alter so eine Wohnform wählen. Warum nicht schon in jungen Jahren. Die Grundstücks- und Imobilienpreise sowie die Mieten sind in den letzten Jahren so gestiegen, dass es für einen Normalverdiener fast unmöglich ist, Eigentum anzuschaffen oder die hohen Mieten zu zahlen.

Das ist ein Thema, welches immer wieder mit unseren Kindern kontrovers diskutiert wird. Die besten Gefechte, Diskussion kann man das nicht mehr nennen, liefern sich hier Paul und sein Sohn Timo. Die Beziehung zwischen Paul und seinem Sohn Timo besteht allerdings meistens aus Missverständnissen. Paul hatte vor seinem Rentnerdasein eine gut gehende Versicherungsagentur, die sein Sohn Timo übernommen hat. Paul wird es nie begreifen, dass sein Sohn Timo nur einmal hören möchte: „Das läuft prima mein Sohn“ oder: „Toll!!! das hätte ich so nicht hingekriegt.“ Aber nein, Paul empfängt seinen Sohn und dessen Familie schon am Eingangstor mit unsensiblen Bemerkungen wie: „Ich will ja hoffen, dass ihr nicht für immer bleibt und bei euch zuhause noch alles läuft oder hat euer Vater euch schon in den Ruin getrieben?“ und nimmt dabei lachend seine Enkelkinder in Empfang. Timo hat sich auch nicht unbedingt immer unter Kontrolle und schreit dann schon los: „Toll, klasse, wir können ja direkt wieder fahren und nachsehen, ob zuhause alles in Ordnung ist!“

Paul wollte nur witzig sein und Timo hat schon zweimal die Gesichtsfarbe gewechselt, bevor er mit seiner Familie im Haus ankommt und seine Mutter Gudrun begrüßt. Gudrun und ihre Schwiegertochter Astrid gehen ganz gelassen darüber hinweg. Abends, wenn die Enkelkinder im Bett sind und zum gemütlichen Beisammensein in unserem Innenhof oder Kaminzimmer eingeläutet wird, sind Vater Paul und Sohn Timo die besten Unterhalter und übertreffen sich gegenseitig mit ihren Witzen.

Darauf angesprochen, dass man doch schon in jungen Jahren mit Eltern, Freunden und evtl. deren Eltern so eine Wohngemeinschaft in seiner Heimatstadt hätte bilden können, reagiert Timo alles andere als positiv. „Das hätte mir noch gefehlt. Ich bin froh, dass ich mir nicht ständig von meinem Alten (Paul grinst dazu nur amüsiert) sagen lassen muss was ich alles besser machen könnte. Nee, Kinder müssen irgendwann den Abstand von ihren Eltern haben. Jung und alt unter einem Dach klappt am besten mit Fremden. Die lassen einen zufrieden.“

Ist vielleicht gar nicht so abwegig. Jedoch sind wir uns alle einig, dass auch eine Wohnform zwischen jung und alt nur funktionieren kann, wenn jeder sein eigenes Reich hat. Kompromisse muss man immer eingehen. Sollte aber die Restlaufzeit nur aus Kompromissen bestehen, ist jede Wohnform zum scheitern verurteilt.


Sicherlich eine berechtigte Frage: was passiert, wenn einer von uns ein Pflegefall wird, wandert der dann trotzdem in ein Alten- oder Pflegeheim oder kümmern sich dann die anderen?

Nein in kein Alten- oder Pflegeheim und die anderen pflegen auch nicht!!!

Holla die Waldfee, was ist denn jetzt mit der Freundschaft und der super Gemeinschaft los, denken jetzt sicherlich viele. Ich gehe mal davon aus, dass alle die noch nie einen Menschen über Jahre gepflegt haben, die Dinge evtl. etwas glorifizierter sehen. „Friends forever“ ist zwar eine prima Sache, hört dann aber erfahrungsgemäß an der Stelle ganz schnell auf.

Wir wollten es unseren Kindern ersparen und werden es unseren Freunden bestimmt nicht zumuten.

Wir wissen, dass Pflege über kurz oder lang auch für uns etwas Unausweichliches wird und haben hier in Zusammenarbeit mit unseren Kindern vertragliche Regelungen getroffen. Es gibt Pflegestufen, häusliche ambulante Pflege und die Option eine Pflegekraft einzustellen.

Pflegekraft einstellen?     Ja genau, so ein Altenheimplatz kostet bis zu 4.500 Euro im Monat, da dürfte die Einstellung einer Pflegekraft bezahlt von 8 Personen wesentlich angenehmer ausfallen.

Wenn wir den pflegebedürftigen Punkt erreicht haben und nicht mehr wissen ob wir Männlein oder Weiblein sind haben wir eben tatsächlich unser eigenes Alten- und Pflegeheim, welches nicht von irgendeiner Institution geleitet, sondern von unseren Kindern beaufsichtigt wird.

Jetzt haben wir uns zunächst einmal ein neues Zuhause geschaffen mit der Gewissheit nicht allein zu sein, wenn es besch… werden sollte. Vielleicht schaffen wir es ja, dass zumindest noch einige von uns klar im Kopf bleiben, uns eben nicht den Hintern abputzen müssen, sondern evtl. etwas vorlesen oder versuchen gemeinsame Erinnerungen zu genießen oder wach zu halten.

Jean-Jacques Rousseau hat einmal gesagt: Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, welcher die höchsten Jahre zählt, sondern der welcher sein Leben am meisten empfunden hat.

 

 

Wie schon erwähnt, erhalten wir von unseren Kindern die größte Zustimmung und Unterstützung zu unserem Wohnprojekt. Immer wieder berichten sie uns, dass ihre Altersgenossen sich oftmals das Genörgel ihrer in die Jahre gekommenen Eltern anhören müssen, wenn sie sie besuchen („Könntest auch mal den Rasen mähen, wie soll ich das alles schaffen? Wäre schön, wenn mir ab und zu jemand beim Einkaufen helfen würde! Bevor ich in so ein Heim gehe, bringe ich mich lieber um! Die Veranstaltungen im Pfarrheim besuche ich nicht, da sind ja alles nur alte Leute! Ach ich will ja nicht meckern, aber es interessiert sich keiner dafür wie es mir geht, könntest ruhig mal öfter vorbeikommen usw. usw.“)

Sicherlich gibt es auch Eltern, die ständig auf Reisen sind. Großeltern, die sich jeden Morgen auf ihre süßen Enkelkinder freuen. Eltern und Groß-Eltern die es erfüllt, von ihren Kindern und Enkelkindern bis ins hohe Alter gebraucht zu werden. Eltern und Großeltern, die ganz selbstverständlich im Kreise ihrer Kinder und Enkelkinder leben und mit der größten Selbstverständlichkeit gepflegt werden.

Die Einstellung, „alles haben wir für unsere Kinder getan, jetzt sind sie mal dran und müssen sich um ihre Eltern kümmern.“ Diese Einstellung ist sehr häufig bei der Generation unserer Eltern anzutreffen.

Unsere Eltern haben zwar meistens als Kinder oder junge Erwachsene Krieg und Entbehrungen kennen gelernt. Jedoch hatten sie keine Probleme Arbeit zu finden, denn sie lebten im Zeitalter des Wirtschaftswunders. Sie haben mit dem Gefühl gelebt, noch etwas aufbauen zu können. Diese Generation, die uns oftmals auch viel hinterlassen hat, erwartet natürlich Dankbarkeit von einer Generation die meistens nicht mehr viel aufbauen konnte, die um ihr Arbeitspatz bangen musste, sofern sie einen hatte, die die laufenden Kosten und das Anspruchsdenken ihrer eigenen Kinder in einer Konsumwelt kaum finanzieren kann. Die in einer überreizten Gesellschaft lebt, der von allen seiten suggeriert wird: Du musst, du musst, du musst; ansonsten bist du ein Loser.

Es ist kaum zu erwarten, das unsere konsumverwöhnten Blagen das Pflegeprogramm bei uns durchziehen, was wir an unseren Eltern an Dankbarkeitsarbeit und Pflichterfüllung geleistet haben oder immer noch leisten. Wir wollen es ihnen auch nicht zumuten.

Alten-WG oder Wohngemeinschaft im Alter suggeriert zunächst einmal: „ALT und s p ä t e r“. Eigentlich müsste es heißen „Neue Wohnformen für befreundete Erwachsene.“ Evtl. würde man sich schon etwas eher für diese Wohnform entscheiden.

Wir sind schließlich erwachsen. Erwachsen aus einer Arbeitswelt aber nicht aus unserer Selbständigkeit. Von jetzt auf gleich aus einer vertrauten Umgebung herausgenommen um dann „versorgt“ zu werden ist fast für jeden älteren Menschen ein Schreckensszenario.

In dem Zusammenhang muss ich immer an ein älteres Paar aus unserer ehemaligen Nachbarschaft denken. Er ist ganz in seiner Gartenarbeit aufgegangen. Er hatte einen super gepflegten Garten, die besten Tipps und sämtliche Gartengeräte. Es war an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten, aber mein Mann (der Geizhals) hat sich fast alles bei ihm ausgeliehen. So nach dem Motto: Karl hat doch alles, warum kaufen. Ich beobachtete sogar einmal wie Karl mit seinen 75 Jahren in unsere Biotonne sprang, so dass etwas mehr reinging. Mein Mann stand daneben und hielt die Tonne fest. Als Karls Frau Eva einen Schlaganfall erlitt und die Kinder meinten, dass die beiden besser in einem Altenheim in ihrer Nähe aufgehoben seien, baute Karl ganz schnell ab und starb noch vor Eva.

Karl und Eva hatten nach ihrem Umzug ins Altenheim (mein Mann sagt heute noch Abtransport) eine große Lücke in unserer ehemaligen Nachbarschaft hinterlassen. Für uns war dieses Erlebnis mit ausschlaggebend, das Laboeprojekt nicht auf die lange Bank zu schieben und bei Zeiten da heimisch zu werden, wo uns keiner abtransportieren kann.

Skipper (Berner Sennenhund) Puschel (Yorshire) Iwan (Münsterländer) und Fritzi (Hauskatze) gehören auch zu unserer Wohngemeinschaft.

Wir sind mit Skipper gesegnet. Skipper hat sich bei uns zu einem Hütehund entwickelt. Wenn sich mal einige von uns entschlossen haben, eine Strandwanderung zu unternehmen, ist es Skipper, der alle zusammenhält. Es ist kaum möglich, das einige etwas weiter zurückbleiben. Skipper rennt dann so lange bellend um die hinteren herum, bis diese die vorhergehenden wieder erreicht haben. Es nützt dann nichts, wenn Paul schreit, kann mal jemand dem blöden Köter klarmachen kann, dass wir nicht seine Schafe sind.

Skipper hat eine Schwäche. Er ist total verfressen. Das geht so weit, dass er kurzerhand mich gegen unsere Haushälterin Änne eingetauscht hat. Sobald er gemerkt hat, dass Änne das Regime über Küche und Kühlschrank hat, war ich abgemeldet. Da er bei Änne nicht in die Küche darf, liegt er mit seinem dicken Hintern im Flur, den Kopf zwischen seinen Vorderfüßen direkt im Türrahmen zwischen Flur und Küche und lässt Änne nicht mehr aus den Augen. Ab und zu stöhnt oder seufzt er leise, damit Änne auf alle Fälle mitbekommt, dass er noch da ist.

Paul, der das trietzen nicht sein lassen kann, fragt in der morgendlichen Frühstücksrunde: „Ist hier jemand der gerne ein Butterbrot mit Leberwurst mag?“ Bei dem Satz jault Skipper was das Zeug hält und Änne schimpft mit Paul, dass er jetzt dem Hund ein Brot schmieren soll.

Paul, bei dem in jungen Jahren die Jäger die größten Tickmänner (seine Wortwahl) waren, hat dann selber einen Jagdschein gemacht und sich einen wunderschönen Münsterländer zugelegt. Sein Iwan ist super ausgebildet und natürlich ein begeisterter Jäger. Bei seinem Herrchen hat sich der Jagdeifer gelegt. Unsere Enkelkinder verstecken alle möglichen Sachen und Iwan apportiert alles wieder herbei.

Susanne und Dirk haben einen frechen Kater der Fritzi heißt. Auf den Punkt gebracht. Friede, Freude Eierkuchen ist nicht mit Fritzi. Wenn Fritzi in unserem Innenhof liegt- bevorzugt auf dem Springbrunnen – verkrümmeln sich unsere Hunde.

Silke, die Tochter von Susanne und Dirk hat ihre Eltern besucht und den kleinen Yorshire Terrier Puschel mitgebracht. Der erste Eindruck von Puschel, niedlich mit seiner rosa Schleife? Der kleine Puschel stand vor uns. Paul ist in schallendes Gelächter ausgebrochen und gluckste nur, nein, oh nein, der Köter sieht aus wie eine Klobürste mit Schleifchen. Sogar unser Skipper hielt den Kopf schief, als wenn er sagen wollte, was ist das denn. Trotzdem freundeten Puschel und Skipper sich schnell an. Silke wollte den Puschel nur mal kurz ihren Eltern vorstellen (das heißt, eigentlich habe ich keine Zeit, könnt ihr den nehmen, bei euch hat er es gut).

Kater Fritzi war damit nicht einverstanden. Puschel ist dann bei Maren und Holger eingezogen. Holger und Maren haben keine Kinder und wollten eigentlich auch nie ein Haustier. Jetzt ist es für sie ganz selbstverständlich, dass unsere Kinder und Enkelkinder sie in allem mit einbeziehen und einen Hund haben sie jetzt auch noch. Erst durfte Puschel nicht auf das Sofa, jetzt liegt er bei ihnen im Bett – aber nur auf seiner Decke am Fußende – (Na ja,wollen wir mal glauben). Da Skipper und Puschel sich angefreundet haben, darf dieser auch unsere Änne vom Flur aus beobachten. Jetzt liegen beide im Eingangsbereich der Küche und lassen Änne nicht aus den Augen.

Acht von zehn Frauen zeigen diese Krankheitssymptome (Aussage meines Mannes).

Da sind wir Frauen unserer Wohngemeinschaft nicht anders. Ab und zu muss das sein und wenn es nur ein T-Shirt ist. Nur unsere Maren ist da etwas differenzierter. Wenn wir in Laboe den kleinen Markt besucht haben, landen wir anschließend regelmäßig bei Jens. Er betreibt eine kleine geschmackvolle Boutique und diese liegt zufällig immer auf unserem Weg.

Sobald wir den Laden betreten, stürzt Jens auf uns zu und wir werden auf das herzlichste begrüßt mit den Worten: ich wußte, dass ihr noch mal kurz bei mir hereinschaut. Wollt ihr einen Kaffee oder ein Glas Sekt? Und schon geht das Gequatsche los (lt. Maren). Er ist ein sehr quirliger Typ und erzählt und erzählt, von seinen Motorradtouren, seinen Reisen, was er gerade gelesen hat, was gestern im Fernsehen war, was seine Freundin von was auch immer hält. Ob du es hören willst oder nicht. Jens sabbelt und sabbelt.

Wir schauen uns um oder probieren irgendwas an. So einen Verkäufer wie Jens habe ich noch nie getroffen. Gudrun hält z.B. eine Bluse hoch die ihr gefällt und fragt mich was ich davon halte. Wenn ich dann sage: super probier doch mal an, kann es durchaus passieren, dass Jens dazwischen funkt: Nee, also nee nee das lass mal, nächste Woche bekomme ich Blusen, die sind genau dein Ding. Jens könnte zwar locker unser Sohn sein, jedoch hat es sich vor einigen Jahren ergeben, dass wir nach einigen Gläsern Sekt zum allgemeinen „Du“ übergegangen sind.

Maren meinte damals zwar, er sei der perfekte Verkäufer. Macht die Kunden erst besoffen. Quatscht sie voll mit seinen Motorradtouren und sonstigen teilweise persönlichen Dingen. So würde er eine emotionale Schiene fahren und ganz nebenbei seinen Kram verkaufen. Maren hat früher als Geschäftsführerin in einem renommierten Modehaus in Berlin gearbeitet. Teilweise amüsiert sie sich, manchmal geht ihr aber auch das Gequatsche von Jens auf die Nerven. Uns, das heißt Susanne, Gudrun und mir gefällt es. Bisher fühlten wir uns auch immer gut beraten von Jens. Maren hat zwar auch ein Auge für einen guten Kleidungsstil jedoch geht Jens etwas lockerer damit um. Maren würde z.B. nie sagen: zieh das aus, wen willste denn damit erschrecken.

Irgendwas finden wir immer und wenn es nur das 30igste Tuch für 12 Euro ist. Unsere Männer sind da viel, viel einfacher gestrickt. Wenn ich meinen Mann dazu überreden will, sich ein paar neue Kleidungsstücke zu kaufen kommt nur: „Wieso unnütz Geld ausgeben, ist doch noch nichts kaputt.“ Da fällt mir dann nichts mehr ein. Wenn ich dann irgendwas für ihn kaufe, was mir gefällt, kommt dann: „schön, schön, lieb von Dir, aber muss das sein?“

Gudrun meint, ihr Paul würde immer das anziehen was da gerade liegt, ob das zusammen passt oder nicht. Letztens habe sie ihm noch gesagt, er solle endlich mal den grünen Pullover ausziehen oder ob er warten würde bis man den aboperieren könne. Da habe Paul ihr gesagt, Änne (unsere Haushälterin) meint, grün würde ihm besonders gut stehen. Daraufhin hat Gudrun ihm einen zweiten grünen Pullover aus der Jens-Boutique mitgebracht. Das passende Tuch dazu war ihm zu affig. Das hat jetzt Änne.