Altern ist nicht immer eine Zumutung berücksichtigt man die Gelassenheit.

23.03.2017

Im Freundes- und Bekanntenkreis wird ausgiebig das Pflegeprogramm der Eltern diskutiert, für einen selbst jedoch stellt sich die Frage im Moment nicht, zudem hat man sich schon mit der Verdrängungstaktik angefreundet.

Ich behaupte immer wieder, dass wir Älteren eines haben: Gelassenheit.

In dem Zusammenhang fällt mir immer wieder eine Weihnachtsfeier (um die Jahreszeit vielleicht etwas daneben) unserer Enkelin im Kindergarten ein: Oma und Opa sind extra angereist. Die Eltern und Großeltern saßen auf kleinen Stühlen an kleinen Tischchen und hatten keinen übermäßigen Gesprächsbedarf. Alles war von den Kindergärtnerinnen liebevoll geschmückt worden. Auf der Fensterbank hatten sie Maria, Josef und das Jesuskind einschließlich kleiner Schäfchen, Esel und Ochsen aufgebaut. In dem zarten Alter von 3 bis 4 Jahren zeigte sich schon der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Die kleinen männlichen Sonnenscheine hatten Maria und Josef kurzerhand in StarWars-Krieger verwandelt. Das Jesuskind war irgend so ein Turtleskrieger, der von der dunklen Macht verhauen wurde.

Auf alle Fälle hatten die kriegerischen Handlungen auf der Fensterbank wenig mit einer besinnlichen Weihnachtsfeier zu tun.

Als die kleine Marie ihre Mutter fragte, wo denn das Jesuskind sei, das läge gar nicht mehr in der Krippe, kam von ihrem Opa:“Das Jesuskind kriegt gerade da hinter der Gardine die Hucke voll.“ Es war festzustellen, dass die Großeltern meistens nachsichtig lächelten während die Eltern das gar nicht mehr so lustig fanden.

Man sollte hier doch vielleicht erzieherisch eingreifen, um einer gewissen Gewaltbereitschaft der kleinen Bengel schon im Vorfeld entgegenzuwirken. Endlich hatten die Eltern und Großeltern ein Thema: Erziehung und Wertevermittlung. Wie viele bei dieser Thematik immer wieder zur Höchstform auflaufen, was jetzt richtig und was grundsätzlich falsch ist, überrascht mich immer wieder. Mit liebevoller Zuneigung und im rechten Glauben, alles richtig und gut gemacht zu haben, entwickelt sich die Nachkommenschaft nicht immer so, wie wir und die Gesellschaft es sich vorstellen.

Schlimm sind die Angeber-Arien der Kinder- und Enkelkinder. Ich kann mich noch gut an eine Nachbarin erinnern. Im Eil- und Trippelschritt schoß sie auf mich zu und dann ging es los:“Mein Sohn hat jetzt seinen Master gemacht. Meine Tochter ist gut verheiratet und mein Enkel ist ja so intelligent und wird demnächst Abitur machen. „Ist ja toll!“ Manchmal ging sie mir schon auf den Keks. Meistens dann, wenn es bei uns nicht so gut lief. Trotz der Angeberei hatte sie etwas liebes rührendes und war eben nur stolz auf ihre Kinder und Enkel.

Allerdings sah ich den Master nur zu den hohen Feiertagen seine Mutter besuchen. Die Tochter war mit intelligentem Enkel immer so um den ersten bei der Mutter. Später traf ich die Tochter zufällig, da teilte sie mir mit, dass sie das nicht schaffen würde mit Muttilein, die sei ja immer so fordernd. Muttilein sei jetzt im Altenheim, was natürlich für die ganze Familie eine finanzielle Belastung sei. Ich weiß noch wie sprachlos ich war (das heißt schon was bei mir). Die arrogante Pute war den ganzen Tag zu Hause und hatte genug Platz. Sie hat es noch nicht einmal versucht, ihre Mutter mit entsprechender Hilfe (die sich diese Familie durchaus hätte leisten können) in ihrer Umgebung versorgt zu wissen. Was hat die alte Dame falsch gemacht? So weit ich weiß gar nichts. Ihre Blagen haben eben einen Sch…charakter, und den kann man nicht anerziehen. Vielleicht bin ich hier auch auf dem therapeutischen Holzweg, aber das ist meine Meinung.

Loriot soll gesagt haben: Altern ist eine Zumutung. Kann man so stehen lassen. Jedoch sind wir Untersuchungen zufolge zwischen 58 und 77 Jahren am glücklichsten.

 

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