Allein sein

19.04.2017

„Wie lange dauert das denn noch, ich dachte wir gehen rüber?“ „Ja ja geh schon mal vor.“

Ich telefonierte mit Freundin Uschi. Mein Mann wollte ins Haupthaus zum kleinen Abendsnack und um irgendein Fußballspiel zu gucken, welches mich nicht die Bohne interessierte.

Maulend „was diese Weiber stundenlang immer zu quatschen haben“, zog er ab.

Sicher, Uschi wollte wissen wie unser Oster-Wochenende war und mich interessierte, ob sich über die Ostertage von ihren Geschwistern und sonstigen Anverwandten jemand im Altenheim bei ihrer Mutter hat blicken lassen.

Natürlich nicht. Ihr Mann findet das zwar prima, dass sie sich kümmert, aber diese Atmosphäre im Altenheim würde ihn immer ganz fertig machen und das sei nichts für ihn. „Diese Scheiß-Egoisten“ Also sei sie mal wieder alleine mit ihrer Mutter und ihrem Hund im nahegelegenen Wald gewesen. Hat heulend den Rollstuhl ihrer Mutter geschoben und dann als sie das Gefühl hatte, ganz alleine zu sein laut losgebrüllt. Ihre Mutter sei ja schon heftig daneben, aber als diese dann fragte, ob sie Heimweh hätte, wußte sie nicht, ob sie lachen oder weiter heulen sollte.

Da Uschi und ihr Mann ebenfalls in ihrem Heimatort eine Wohngemeinschaft gründen wollten wie wir sie praktizieren, fragte ich wie die Dinge stehen (Es sind zwei Ehepaare und zwei Single-Frauen). Es würde nicht so recht weitergehen. Die beiden alleinstehenden Frauen meinten jetzt, es sei doch unnötig eine Hauswirtschafterin einzustellen. Das Geld könne man sich sparen, sie seien alle fit und da bräuchte man nur eine klare Arbeitseinteilung. Zudem würde doch pro Paar oder Person ein Zimmer mit Bad reichen und eine Groß-Küche täte es doch auch „Pahh, klare Arbeitseinteilung. Das hätte schon in ihrer Ehe nicht geklappt. Und dann hocken wir alle in der Großküche, putzen Gemüse und sind ja so tolerant und haben uns alle lieb. Da können ja gleich alle bei uns ins Haus ziehen.“

Uschi war genervt und hatte mit mir eine geduldige Zuhörerin. Meine Tipps (haben so Freundinnen an sich) zu ihren Problemen sind nicht immer die besten, relativieren die Dinge schon mal,  auch wenn sie etwas krass ausfallen.

„Wir wollen hoffen, dass Deine Mutter noch lange lebt Uschi. Zumindest so lange, bis deine Geschwister so alt sind dass sie die gastliche Stätte bewohnen dürfen und dann mit eurer Mutter an einem Tisch im Altenheim sitzen. Dann besuchst du nur deine Mutter und sagst denen:“wartet auf eure Kinder, sie werden kommen, irgendwann“

Den beiden Freundinnen bietest du genau wie schon von Dir geschildert einige Wochen traute Gemeinsamkeit mit klarer Arbeitseinteilung in eurem Haus an. Nur um zu üben.“

Wir haben noch etwas herumgealbert und uns über die Unzugänglichkeiten unserer Männer ausgelassen und nach geraumer Zeit das Gespräch beendet.

Ins Haupthaus bin ich nicht mehr gegangen. Habe mich auf dem Sofa in meine Decke gerollt und mir einen schönen schnulzigen Film angeschaut. Ich hatte auch mal Lust alleine zu sein.

 

 

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