Änne

20.01.2017

Wie bereits erwähnt, haben wir gemeinsam eine große Küche, die von unserer Perle Änne geleitet wird.

Ich kann mich noch gut an das Vorstellungsgespräch erinnern. Uns Frauen wurde es überlassen, unsere zukünftige Haushälterin auszusuchen. An dem Tag war es sehr heiß. Susanne, Gudrun, Maren und ich saßen morgens ganz entspannt in unserem Kaminzimmer/Bibliothek und erwarteten Frau Änne Hansen. Änne, eine kleine drahtige 35jährige mit vielen rotblonden Locken, die sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, kam nicht allein.

Im Schlepptau hatte sie ihren Mann Freddy und ihre 4jährige Tochter Paulina.

Paul behauptet noch heute, dass wir Änne nur eingestellt haben, weil wir Angst vor Freddy gehabt hätten. Na ja, mit seinen zwei Metern, der großen Nase, den buschigen Augenbrauen sowie den riesigen Händen hätte er mühelos einen Job als neuer „Beißer“ im nächsten Bondfilm bekommen können.

Doch uns Frauen hat etwas anderes überzeugt. Wir saßen wie die Grazien in unseren cremefarbenen Ledersofas und staunten nicht schlecht über dieses Dreigespann.

Bevor wir die erste Frage stellen konnten, pirschte Änne auf unsere Jalousien los und fragte, ob sie die herunterlassen dürfte, da es auf Dauer angenehmer sei, wenn bei dem heißen Wetter die Jalousien unten sind, die Sofas würden dann auch nicht so schnell ausbleichen. Aber ja doch, wo waren wir nur mit unseren Gedanken.

Freddy sah man an, dass ihm Ännes Vorgehen etwas peinlich war. Er sagte etwas verlegen in seinem Holsteiner Platt:“Änne, bliev doch ers mal sitten“ Klein Paulina (Gott sei Dank sieht sie ihrer Mutter ähnlich) saß auf seinem Schoß. Dieser Klotz kraulte ganz zärtlich ihren Nacken.

Änne ließ die Jalousien herunter setzte sich wieder hin und strahlte uns an. Wir stellten sofort die ganze Familie ein. Freddy ist zwar hauptberuflich Fischer, wenn jedoch größere Dinge im Haus oder Garten zu erledigen sind, ist er immer zur Stelle.

An Ännes Koch- und Wirtschaftskünsten ist nichts auszusetzen. Allerdings verfügt sie über eine platte direkte Art. Man kann sicher sein, dass, was sie sagt, auch so meint. Bevor es einer wagen könnte, beim Sauwetter mit verdreckten Schuhen ins Haus zu kommen, schreit sie schon vorher laut: „Schuhe aus“. Dabei ist es ihr egal, wer vor der Tür steht.

 

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